Dermatologie & Allergologie
AIDS: Diagnose
AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome)
Definition
AIDS ist eine schwere, durch HIV ausgelöste Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems. AIDS macht den Körper wehrlos gegen viele Krankheitserreger und anfällig für Tumoren, die ein gesunder menschlicher Organismus ohne Probleme abwehrt. Die durch die Schwächung des körpereigenen Immunsystems ausgelösten Krankheiten führen schließlich ohne Behandlung zum Tode.
Historisches
1980 in den USA erstmals beobachtet: schleichendes Krankheitsbild bei jungen männlichen Homosexuellen mit Infektionen durch opportunistische Erreger, Kaposi-Sarkomen und anderen Neoplasien sowie einer schweren Störung der zellulären Abwehr.
1982 Die US-amerikanischen Centers for Disease Control in Atlanta definieren eine neue Krankheit: das erworbene Immunmangelsyndrom AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Erste AIDS-Fälle in Österreich gemeldet.
1983 Entdeckung eines lymphotropen Retrovirus als Verursacher der Krankheit: HIV (Human Immunodeficiency Virus).
Ätiopathogenese
Erreger
- Humanes Immundefizienzvirus (HIV) aus der Gruppe der Retroviren
- HIV (Humanes Immundefekt Virus) ist ein Virus, das vor allem die Zellen des Abwehrsystems befällt. Es vermehrt sich in ihnen, setzt sie außer Funktion und zerstört sie schließlich.
- Das körpereigene Abwehrsystem kann - anders als bei den meisten anderen Infektionen - HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl einige Wochen nach der Infektion Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das eingedrungene Virus gebildet werden.
- Der Erreger wurde u.a. nachgewiesen im Blut, im lymphatischen Gewebe, im Speichel, in der Samenflüssigkeit, im Vaginalsekret und im ZNS.
- Es gibt weltweit mindestens 2 HIV-Typen mit mehr als 15 HIV-Subtypen.
- Die Viren verändern sich ständig infolge ihrer hohen Mutationsrate, was die Entwicklung von Impfstoffen und auch antiviral einheitlich wirksamer Substanzen vor große Probleme stellt.
Inkubationszeit
- Einige Monate bis zu 4-5 Jahren, möglicherweise auch länger.
- Eine normierte und im Einzelfall ausreichend sicher vorhersehbare Inkubationszeit scheint weder für den Zeitraum zwischen Infektion und Initialstadium noch für den Zeitraum zwischen Infektion und AIDS-Manifestation zu existieren.
- Auch die durchschnittliche Dauer der Latenzzeit vom Zeitpunkt der Serokonversion bis zum Auftreten von AIDS ist nicht bekannt. Die bisherigen Beobachtungen lassen folgende Schlussfolgerungen zu:
- Die Zeit zwischen der HIV-Infektion und dem Auftreten akuter Krankheitserscheinungen liegt zwischen 5 Tagen und 3 Monaten, in der Regel zwischen 2 und 4 Wochen.
- Das Auftreten von Anti-HIV-Antikörpern erfolgt normal nach 4-12 Wochen, in Einzelfällen erst nach Jahren.
- Als extreme Inkubationszeiten zwischen HIV-Infektion und Ausbruch von AIDS wurden 6 Monate bis 11 Jahre beobachtet.
Übertragung
- Übertragung von Mensch zu Mensch durch Blut und Blutprodukte oder durch erregerhaltiges Sperma, Vaginalsekret bei Sexualkontakten
- Parenterale Blutübertragung
- i.v. Drogen
- diaplazentar bzw. perinatal
- Offensichtlich hohes Virusinokulum nötig, da bei so genannten Haushaltskontakten so gut wie keine Übertragungen
- HIV-Viren befallen vorwiegend T-4-Lymphozyten (Helfer-Zellen), die eine Schlüsselposition des Immunsystems einnehmen. Ihre Schädigung bzw. Vernichtung führt zu einem totalen Zusammenbruch der Immunabwehr, in dessen Gefolge gehäufte, vor allem so genannte opportunistische Infektionen mit hoher Letalität auftreten.
- Daneben Neoplasien und Befall des ZNS.
Risikogruppen
- Promiskuitive homo- oder bisexuelle Männer (70% aller AIDS-Fälle)
- Drogenabhängige mit parenteraler Applikationsgewohnheit (15%)
- Hämophiliepatienten (4%)
- andere Empfänger von Gerinnungsfaktoren, Neugeborene infizierter Mütter, heterosexuelle Intimpartner von Infizierten (4%)
- Empfänger von Bluttransfusionen und Empfänger von Organen (2%)
eine zunehmende heterosexuelle Transmission wird beobachtet
Indikatorkrankheiten
- Candidiasis des Ösophagus, der Trachea, der Bronchien oder der Lunge
- Extrapulmonale Tuberkulose
- Kryptosporidiose mit länger als 1 Monat anhaltenden Durchfällen
- Zytomegalie-Infektion eines Organes außerhalb der Leber, der Milz oder der Lymphknoten bei Patienten älter als 1 Monat
- Herpes-simplex-Infektionen mit mukokutanen Ulzera, die länger als 1 Monat anhalten; oder auch Bronchitis, Pneumonitis und Ösophagitis jeglicher Dauer bei Patienten älter als 1 Monat
- Kaposi-Sarkom bei Patienten unter 60 Jahren
- Lymphome des Gehirns bei Patienten unter 60 Jahren
- Lymphoide interstitielle Pneumonie und/oder pulmonale lymphoide Hyperplasie (LIP/PLH-Komplex) bei Patienten unter 13 Jahren
- Mycobacterium avium- oder M. kansasii-Erkrankungen außerhalb oder in Verbindung mit Befall der Lungen, der Haut, der zervikalen oder Hiluslymphknoten
- Pneumocystis-carinii-Pneumonie
- Progressive multifokale Leukenzephalopathie
- Gehirntoxoplasmose bei Patienten älter als 1 Monat
- Kryptokokkose (siehe auch Infektionsnetz/Pilzinfektionen)
Aids und Tuberkulose
- HIV-infizierte Patienten sind in besonderem Maße tuberkulosegefährdet. Dabei Veränderung des gewohnten Erscheinungsbildes der Tuberkulose, sodass diagnostische Schwierigkeiten möglich sind.
- Antituberkulöse Therapie unverändert
Epidemiologie
- An der AIDS-Pandemie sind weltweit seit 1981 weit mehr als 20 Millionen Menschen gestorben.
- Allein im Jahr 2000 forderte die Immunschwächekrankheit 3 Millionen Menschenleben.
- Die Zahl der Personen, die heute mit einer HIV-Infektion leben, wird auf knapp über 36 Millionen geschätzt, das sind um die Hälfte mehr, als die UNO 1991 prognostizierte.
- Die bei weitem am härtesten getroffene Region ist das subsaharische Afrika - dort leben allein 25 Millionen HIV-Infizierte, dies entspricht 70% aller weltweit Betroffenen.
- Rasante Zunahme der Infektionen auch in Zentralasien und in Osteuropa, v.a. in den Ländern der Russischen Föderation, wo die gemeldeten HIV-Infektionen von ca. 11.000 Ende 1998 auf 129.000 im Juni 2001 hinaufgeschnellt sind.
- Aber auch in den Industrieländern geben stagnierende Präventionsbemühungen Grund zur Sorge.
- Ungeschützter Sex droht in manchen Risikogruppen wieder zur Norm zu werden.
Symptome
akute Infektion
- Zunächst grippeähnliches Krankheitsbild: Fieber, Gliederschmerzen und allgemeines Unwohlsein mit Abgeschlagenheit und Müdigkeit.
- Diarrhoe, Lymphknotenschwellungen, diskretes erythematöses Stammexanthem.
- Gelegentlich Mononukleose-ähnliches Bild.
- Positiver Nachweis von Antikörpern gegen HIV 4-12 Wochen (evtl. bis 12 Monate!) nach Infektion.
- Anschließend symptomfreie Latenzphase von einigen Monaten bis über 7 Jahre bei anhaltender positiver Serologie.
Stadium der Lymphadenopathie
- Mindestens 4-6 Monate anhaltende Lymphknotenschwellungen von >1cm Durchmesser an mindestens 2 extrainguinalen Körperstellen.
ARC (AIDS Related Complex)
- Unklare Gewichtsabnahme (>10% des Körpergewichts), Fieberschübe, Durchfälle, Schwitzen, Leistungsabfall, Hautaffektionen (flüchtige Exantheme, Herpes simplex, Pyodermien, Condylomata, Pilzaffektionen u.a.)
- Diese Stadien können mit wechselnder Ausprägung mehr als 3 Jahre anhalten und anschließend in das Stadium des manifesten erworbenen Immundefektsyndroms übergehen.
AIDS
- Der Zusammenbruch des (vorwiegend zellulären) Immunsystems führt zu rezidivierenden oder persistierenden Infekten mit opportunistischen Erregern (Pneumocystis carinii, Hefen, Schimmelpilze, Kryptokokkose, Mykobakteriose, Zytomegalie- und andere Viren, Toxoplasmen, Kryptosporidiose etc.) und zu
- Neoplasien (Kaposi-Sarkom, Tumoren des retikulären Systems).
HIV-Enzephalopathie (Sonderform)
- Klinische Symptome wie Wesensveränderung, Demenz, periphere Neuropathie (Harnverhaltung, Inkontinenz, Parästhesien etc.) können Folge einer Vermehrung des HIV-Virus im ZNS sein, die zu einer diffusen Enzephalopathie (Diagnoseversuch mit NMR) mit nachfolgender Hirnatrophie führt
- In einigen Fällen wurde das Auftreten von Anti-HIV-Antikörpern im Liquor cerebrospinalis noch vor deren Erscheinen im Serum beschrieben. Dies spräche für primäre intrathekale B-Zell-Reaktion gegen HIV. Diagnostische Verwertbarkeit allerdings noch abzuwarten.
Achtung - Anonyme Meldepflicht:
Lt. Novelle zum AIDS-Gesetz, BGB. Nr. 345/1993, sind manifeste Erkrankungen an AIDS sowie Todesfälle, wenn zum Zeitpunkt des Todes eine AIDS-Erkrankung bestanden hat, direkt an das Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen, Abteilung II/A2, 1031 Wien, Radetzkystraße 2, innerhalb einer Woche schriftlich zu melden. Neben den Krankenanstalten sind nunmehr freiberuflich tätige Ärzte zur Meldung verpflichtet.
Diagnostik
Serologische Stufen-Diagnostik (siehe auch Infektionsnetz/Serodiagnostik)
- Ziel:
- Zweifelsfreier Nachweis spezifischer Antikörper
- Labor:
- ELISA (enzyme-linked immuno sorbent assay) als Antikörper-Suchtest
- bei positivem Befund immer Bestätigungstest, z.B. Westernblot, Immunfluorenzenz, Radioimmunpräzipitation, durchzuführen
- Lymphopenie
- CD-4-Zellen stark vermindert oder fehlend
- Immunglobuline vermehrt (IgG, IgA), im späteren Krankheitsstadium vermindert
- Verlaufskontrolle durch Kontrolle der sog. Viruslast (viral-load: Zahl der pro ml Serum nachweisbaren RNA-Kopien des HIV1) mittels quantitativer PCR, NASBA oder bDNA-Technik sowie der Zahl der CD-4-Zellen
Weitere diagnostische Maßnahmen(spätestens im Stadium der Lymphadenopathie)
- Nachweis von HIV-Antikörpern
- Klinische Durchuntersuchung (Lymphknoten)
- Blutbild, Thrombozyten, Blutsenkung
- Transaminasen, alkalische Phosphatase, Serum-Elektrophorese, quantitative Immunglobuline (IgM erniedrigt, Rest erhöht)
-
Prüfung der zellvermittelten Immunität durch so genannte Recall-Antigene (z. B. Multitest-Sero)
Zur DD
- Antikörperbestimmung gegen Epstein-Barr-Virus, Zytomegalie-Virus und Hepatitis-B-Virus
- Eventuell Lymphknotenbiopsie (bei HIV-induzierter Lymphadenopathie histologisch lediglich unspezifische Aktivierung in Form follikulärer Hyperplasie)
- Untersuchung der Lymphozytensubpopulation im Frischblut zur Bestimmung der absoluten Zahl der T-Helfer- und T-Suppressor-Zellen und Ermittlung des T-Helfer-T-Suppressor-Quotienten (normal 1,4 bis über 2,7)
- Bei Persistenz eines erniedrigten Quotienten von 0,6 und darunter, der durch Verminderung der T-Helfer-Zellen bedingt ist, über mehr als 3 Monate ist eine erhebliche Beeinträchtigung des Immunsystems zu befürchten
- Bestimmung der In-vitro-Stimulierbarkeit von Lymphozyten durch Antigene oder Mitogene
Einteilung der HIV-Infektion nach Kriterien des Center for Disease Control, Atlanta, Georgia, USA 1993
|
Anzahl CD 4-Zellen/µl
|
Keine Symptome
A |
Weder A noch C
B |
Symptome/AIDS
C |
|
>500
|
A1
|
B1
|
C1
|
|
200-500
|
A2
|
B2
|
C2
|
|
<200
|
A3
|
B3
|
C3
|
In Europa gelten die klinischen Kategorien C1, C2 und C3 als AIDS. Demgegenüber werden in den USA auch alle Patienten mit weniger als 200 CD-4-Zellen/µl zu AIDS gezählt
Verlauf
- Der Verlauf eines manifesten AIDS ist abhängig vom Ausmaß der Funktionsstörung der zellulären Immunabwehr und von Art und Beherrschbarkeit der Komplikationen.
- Die Prognose von Patienten mit gehäuften opportunistischen Infektionen ist schlecht (Letalität annähernd 100% innerhalb von 3 Jahren)
- Kutane Kaposi-Sarkome ohne Beteiligung des Gastrointestinaltraktes haben eine verhältnismäßig günstige Prognose (Überlebenszeit >3Jahre)
Schutzmaßnahmen
- Die Hauptgefahr der Übertragung ist eindeutig mit dem gesamten Begriff "Geschlechtsverkehr" umrissen, dabei stehen die Sexualpraktiken homosexueller Männer im Vordergrund. Bei der Übertragung von AIDS auf Frauen sind bisexuelle Männer von entscheidender Bedeutung.
- Weitere Gefahrenquelle: Verwendung unsteriler Spritzen zu Injektionen (Drogenabhängige!).
- Alle übrigen Transmissionswege theoretisch möglich, aber an Bedeutung derzeit noch weit im Hintergrund (gemeinsame Benützung von Zahnbürsten, Rasierapparaten oder ähnlichen Geräten).
- Blutprodukte und Bluttransfusionen scheiden nach den bereits laufenden Vorsorgemaßnahmen praktisch als Übertragungsgefahr aus.
- Übertragung während der Schwangerschaft auf das sich entwickelnde Kind mit 40-60%iger Wahrscheinlichkeit, wenn die Mutter infiziert ist.
Schutz gegen Ansteckung im Krankenhaus, in der ärztlichen und zahnärztlichen Praxis
- Als seropositiv gegen HIV gilt ausschließlich ein Patient, bei dem in zwei voneinander unabhängigen Tests Antikörper ermittelt wurden (z.B. im ELISA, bestätigt durch Westernblot bzw. Immunoblot).
- Grundsätzlich sollen bei der Pflege und Behandlung von AIDS-infizierten Personen dieselben Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden wie bei Hepatitis B.
- Vorsicht bei Benutzung von schneidenden oder scharfen Instrumenten (auch Kanülen).
- Gebrauchte Einwegkanülen in ausreichend durchstichfeste kleine Behälter werfen!
- Bei Umgang mit möglicherweise kontaminiertem Material ist die Benutzung von Handschuhen und Schutzkleidung anzuraten.
- Bei Zahnbehandlungen mit der Turbine empfiehlt sich die Benutzung eines Mund-Nasen-Augenschutzes für Zahnarzt und Helferin, da hierbei Aerosol entsteht.
- Arbeiten im Mund, bei denen mit Blutungen gerechnet werden muss, sind mit Gummihandschuhen vorzunehmen.
- Alle Gegenstände, die möglicherweise mit infektiösem Material in Berührung gekommen sind, müssen desinfiziert werden.
- Vor allem in den operativen Fächern, einschließlich Geburtshilfe, auf Vermeidung des direkten Kontaktes mit Blut achten. Händewaschen mit Seife allein genügt nicht.
- Die Untersuchung von Risikopatienten auf HIV-Antikörper im Rahmen der routinemäßig durchgeführten Blutuntersuchung wäre empfehlenswert.
- Ist der Patient bereits als wahrscheinlich infektiös anerkannt oder an AIDS manifest erkrankt, hat jeder Eingriff mit den gleichen Vorsichtsmaßnahmen zu erfolgen wie bei einem Hepatitis-B-Patienten.
- Blutverunreinigungen von Bettwäsche, Kleidung, Fußböden etc. sofort mit einem Desinfektionsmittel oder thermisch behandeln.
- Patientenmaterial, das AIDS-infektiös sein könnte, ist deutlich entsprechend zu kennzeichnen.
- Es muss für den Transport in das Laboratorium eine Verpackung erhalten, die den Vorschriften über Versendung infektiöser Materialien entspricht.
- Patienten, die an AIDS verstorben sind, müssen als infektiös deklariert werden.
- Leichenöffnungen mit Doppelhandschuhen, wasserfester Schutzkleidung und wasserdichten Schuhen vornehmen.
- Alle Instrumente, Gegenstände etc. nach der Autopsie sorgfältig desinfizieren.
- Labor: Mundpipettieren mit Patientenflüssigkeiten streng verboten, Gummihandschuhe tragen
- Kontaminiertes Material muss vor dem Beseitigen desinfiziert werden.
Glossitis: Diagnose
Glossitis
Definition
Entzündung der Zungenschleimhaut, häufig in Verbindung mit Stomatitis bei Infektionskrankheiten
Man unterscheidet zwischen oberflächlichen und tiefen Zungenentzündungen.
Symptome
- Zungenbrennen
- Schmerzen an Rand und Spitze
- Parästhesien
- Geschmacksstörungen
Zur Beurteilung
- Form (Bläschen-, Geschwürbildungen, Flecken, Fissuren)
- Farbe, Ausbreitung und Konsistenz der Läsion
- allgemeine Begleiterscheinungen
- funktionelle Zeichen (Schmerzen, Brennen, Fremdkörpergefühl, Bewegungseinschränkung der Zunge, Schluckbeschwerden, Sprachstörungen, Speichelfluss)
Ursachen
- fieberhafte Infektionskrankheiten
- Soorinfektionen (Strahlenbehandlung, Chemotherapie, AIDS)
- Stomatitis aphthosa
- Allergien
- Syphilis
- Verletzungen
Chronische Entzündungen mit Papillenschwund
Zunge ganz befallen
- Biermersche Anämie (Huntersche Glossitis, Vitamin B12-Mangel)
- Eisenmangelanämie
- Polyglobulie
- Mangel an Vitaminen B und C
- Diabetes mellitus
- Postgastrektomie-Syndrom
Zunge teilweise befallen
- Verletzungen, Schädigung durch Fremdkörper,
- Zähne oder Zahnersatz (mechanisch, elektro-galvanische Ströme)
- Glossitis rhombica: Sitz im mittleren Drittel, manchmal granulierend
Chronische Entzündungen ohne Papillenschwund
Zunge ganz befallen
- Mykosen (Strahlen-, Chemotherapie, AIDS)
- schwarze Haarzunge (harmlos)
- Lingua plicata
- Lichen ruber planus
Zunge teilweise befallen
- Leukoplakie (Präkanzerose!)
- Glossitis exfoliativa marginata (genetisch bedingt)
Makroglossie
Ursachen
akute Entzündung (bakteriell)
- Abszess
- Phlegmone
allergische Entzündung
- Nahrungsallergie
- Insektenstich
chronische Entzündung
- unspezifisch
- spezifisch bei Tuberkulose und Lues, Pilzerkrankungen, gelegentlich Aktinomykose
Speicherkrankheiten
- lokale Amyloidose
- Paramyloidose (bei Morbus Kahler)
- Hyalinosis cutis et mucosae
- Skleroderma adultorum u.a.
Blutungen in die Zunge
- bei hämorrhagischer Diathese
- hereditär oder medikamentös ausgelöst
Tumoren
- Karzinome
- Sarkome
- Hämangiome
- Lymphome u.a.
Dysplasien
- Mongolismus und ähnliche Syndrome
hormonelle Störungen
Diagnose
mittels histologischer Untersuchung
Strahlenreaktionen der Mundschleimhaut ("Strahlenmucositis")
während und nach Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich
Radiomukositis
Zunächst herdförmige, später konfluierende Mukositis mit Ödem und schmerzhaftem Enanthem. Schließlich Exsudation, die sich in fibrinösen Belägen manifestiert. Therapie unterbrechen, ggf. beenden, da sonst Gefahr oberflächlicher Ulzerationen, Blutungen, schließlich eines chronischen Strahlenulkus
Veränderungen der Speichelsekretion
(qualitativ und quantitativ) bis zur glandulären Atrophie: Xerostomie, Achylie
Geschmacks- und Geruchsbeeinträchtigung
Schädigung der Geschmacksknospen und des peripheren Olfaktoriusapparates
Infektionen
Pilz- und bakterielle Mischinfektionen
Letztes Update:25 Mai, 2011 - 12:36Laborwerte I. (Referenzbereiche): Diagnose
| Enzyme/Substrate |
| Enzyme/Substrate im Serum |
Referenzbereich
|
erhöht
|
erniedrigt
|
|
| Ammoniak |
<50
|
µmol/l
|
schwere Lebererkrankungen | |
| Amylase, Alpha- |
<100
|
U/l
|
akute Pankreatitis, chron. Pankreatitis- Schub, akutes Abdomen, Parotitis, Tumore, Alkoholismus |
|
| Bilirubin gesamt |
<1
|
mg/dl
|
hämolyt. Anämien, infektiöse oder toxische | |
|
|
|
Leberschädigung, Lebermetastasen, parenchymatöse und cholestatische Leberschäden, Bilirubinstoffwechselstörung, mech. Verschluss der Gallenwege | ||
| Bilirubin direkt |
<0,25
|
mg/dl
|
||
| Cholesterin (Idealwert) |
<200
|
mg/dl
|
Hyperlipidämie | |
| Cholesterin, HDL- |
w. >45
m. >35 |
mg/dl
mg/dl |
Beziehung zu koronarer Herzkrankheit | |
| Cholesterin, LDL- |
Primärprävention <130
|
mg/dl
|
||
| - |
Sekundärärpräv. <100
|
mg/dl
|
||
| Cholinesterase (CHE) |
W. 5,32-12,92
|
kU/l
|
Diabetes mellitus, Hyperlipidämie, nephrotisches | chron. Lebererkrankungen, |
|
m . 3,65-12,92
|
kU/l
|
Syndrom, exsudative Enteropathie | Vergiftung (organ. Phosphorsäurester) | |
| CK (Kreatinkinase) |
w. <170
|
U/l
|
Myokardinfarkt, Myokarditis, körperliche Aktivität, | |
|
m. <190
|
U/l
|
i.m. Injektionen, Trauma, Myositis, Muskeldystrophie | ||
| CK-MB-Isoenzym |
<6% d. Ges.-CK
|
|
Myokardinfarkt | |
| Kreatinin |
<1,2
|
mg/dl
|
akutes und chronisches Nierenversagen, Harnwegsobstruktion (postrenale), akuter Muskelzerfall | |
|
|
|
|||
|
|
|
|||
| Glukose |
76-110
|
mg/dl
|
Diabetes mellitus (TYP I, Typ II), Pankreatitis, Morbus Cushing, Lebererkrankungen |
Überdosierung von Antidiabetika, nach Alkohol, schwere körperliche Arbeit |
| GOT (ASAT) |
w. <31
|
U/l
|
Lebererkrankungen, Herzinfarkt, Lungenembolie, | |
|
m. <35
|
U/l
|
Muskelerkrankungen | ||
| GPT (ALAT) |
w. <34
|
U/l
|
Lebererkrankungen, Gallenwegserkrankungen | |
|
m. <45
|
U/l
|
|||
| GT, Gamma- |
w. <55
|
U/l
|
Hepatitis, Zirrhose, Fettleber, Cholestase (extra- oder intrahepatisch), Lebermetastasen, Alkoholismus, Pharmaka, Pankreatitis | |
|
m. <38
|
U/l
|
|||
| Harnsäure |
w. 2,5-6,0
|
mg/dl
|
Gicht, Chemo- oder Strahlentherapie, Niereninsuffizienz, Leukosen, Hungerzustände | erhöhte Ausscheidung, verminderte Synthese, Pharmaka |
|
m. 3,5-7,0
|
mg/dl
|
|||
| Harnstoff |
13-53
|
mg/dl
|
akutes und chron. Nierenversagen, prärenale | |
| Harnstoff-N (BUN) |
6-25
|
mg/dl
|
Niereninsuffizienz, postrenale Niereninsuffizienz | |
| HBDH, Alpha- |
<182
|
U/l
|
||
| Laktat |
0,5-2,2
|
mmol/l
|
körperliche Aktivität, allgemeine Hypoxie, Hyperventilation, Biguanide | |
|
|
|
|||
| LDH ( = Laktatdehydrogenase) |
<248
|
U/l
|
Herzinfarkt, Lungenembolie, Lebererkrankungen, Mononukleose, Muskelerkrankungen, Niereninfarkt, Hämolyse, maligne Tumore |
|
| Lipase |
<60
|
U/l
|
akute Pankreatitis, chron. Pankreatitis-Schub, akutes Abdomen, Niereninsuffizienz |
|
| Phosphatase, alkalische |
m. 40-129
|
U/l
|
Lebererkrankungen, Verschlußikterus, Knochenerkrankungen, maligne Tumore, Schwangerschaft | angeborene Hypophosphatasie |
|
W. 35-104
|
U/l
|
|||
| Phosphatase, saure |
<6,6
|
U/l
|
Prostatakarzinom, Prostatitis, Palpation d. Prostata, Knochenerkrankungen, hämatolog. Erkrankungen |
|
| Phosphatase, saure |
<3,5
|
U/l
|
Prostataerkrankungen | |
| prostataspezifische |
|
|
||
| Elektrolyte und Spurenelemente |
Referenzbereich
|
erhöht
|
erniedrigt
|
|
| Chlorid |
95-110
|
mmol/l
|
renale tubuläre Azidosen | intestinaler Verlust, Diuretika, metabolische Alkalose |
| Kalium |
3,5-5,0
|
mmol/l
|
Niereninsuffizienz, Azidose, Hämolyse, Pharmaka |
gatrointestinaler Flüssigkeitsverlust, renaler Kalium-Verlust, mangelnde Kalium-Zufuhr |
| Kalzium, gesamt |
2,1-2,65
|
mmol/l
|
Hyperparathyreoidismus, Neoplasien, Mutliples Myelom, Vit D-Überdosierung |
Hyperparathyreoidismus, Malabsorption, chron. Niereninsuffizienz, Neoplasien, Vit D-Mangel, akute Pankreatitis |
| Lithium |
0,6-1,1
|
mmol/l
|
Überdosierung | |
|
(therapeut. Bereich vor nächster Gabe)
|
||||
| Magnesium |
0,7-1,0
|
mmol/l
|
Niereninsuffizienz, Antazidaabusus | renale Verluste, gastrointestinale Verluste, verminderte Zufuhr |
| Natrium |
130-140
|
mmol/l
|
Hypovolämie, prim. Hyperaldosteronismus, Diabetes insipidus, Pharmaka |
gastrointestinaler Flüssigkeitsverlust, renale Verluste, Diuretika, Morbus Addison |
| Phosphat, anorg. |
0,8-1,6
|
mmol/l
|
Hypoparathyreoidismus, Niereninsuffizienz | Hyperparathyreoidismus, Vit D-Mangel Fanconi-Syndrom |
| Eisen |
w. 40-150
|
mg/dl
|
idiopathische Hämochromatosen, sidero- blastische Anämie, hepatogene Hyper- siderinämie |
Eisenverlust, Resorptionsstörung, erhöhter Bedarf, Infekte, falsche Ernährung |
|
m. 60-165
|
mg/dl
|
|||
| Kupfer |
70-152
|
µg/dl
|
Infekte, Tumore, Lebererkrankungen | Morbus Wilson |
| Proteine/Immunchemie |
Referenzbereich
|
erhöht
|
erniedrigt
|
|
| Albumin |
34-48
|
g/l
|
nephrotisches Syndrom | |
| Alpha 1-Antitrypsin |
90-200
|
mg/dl
|
akut entzündliche Erkrankungen | angeborener Mangel |
| Eiweiß |
65-885
|
g/l
|
Plasmozytom, Leberzirrhose, Morbus Boeck, Lungen-Tb |
Synthesestörung, Malabsorption, Mangelernährung, Proteinurie, exsudative Enteropathie |
| Eiweiß-Elektrophorese |
|
|
||
| Albumin |
57-69
|
%
|
||
| Alpha 1-Globulin |
2,1-3,5
|
%
|
||
| Alpha 2-Globulin |
6-10
|
%
|
||
| Beta-Globulin |
6,5-11,5
|
%
|
||
| Gamma-Globulin |
10-22
|
%
|
||
| Ferritin |
m. 20-280
|
µg/L
|
Hämochromatose, Transfusionen | Eisenmangel, Eisenresorptionsstörung |
|
w. 10-250
|
µg/L |
|||
| Immunglobulin A |
90-450
|
mg/dl
|
Lebererkrankungen, Myelom | angeborener IG-Mangel, |
| Immunglobulin G |
800-1800
|
mg/dl
|
erworbener IG-Mangel | |
| Immunglobulin M |
60-280
|
mg/dl
|
||
| Transferrin |
200-360
|
mg/dl
|
Eisenmangel | Infekt, Tumor |
| Antistreptolysin qual. |
negativ
|
|
nach Streptokokkeninfektion | |
| Antistreptolysin quant. |
<200
|
U/ml
|
||
| CRP qual. |
negativ
|
|
akut entzündliche Erkrankungen, schwere virale Erkrankungen, rheumatische Erkrankungen | |
| CRP quant. |
<1,0
|
mg/dl
|
postoperativ, Herzinfarkt | |
| Rheumafaktor qual. |
negativ
|
|
bei zahlreichen rheumatischen und nicht- | |
| Rheumafaktor quant. |
<15
|
IU/ml
|
rheumatischen Erkrankungen | |
| Waaler-Rose Test |
negativ
|
|
||
|
Erwachsener
|
Neugeborenes
|
Säugling
|
Kind
(1-16 Jahre) |
|||||
| Erythrozyten |
w. 3,8-5,2
|
T/l
|
4,5-6,5
|
T/l
|
3,8-5,6
|
T/l
|
4,0-5,7
|
T/l
|
|
m. 4,4-5,8
|
T/l
|
|
|
|
|
|
|
|
| Hämoglobin |
w. 12-16
|
g/dl
|
14-25
|
g/dl
|
12-15
|
g/dl
|
12-15
|
g/dl
|
|
m. 13,5-18
|
g/dl
|
|
|
|
|
|
|
|
| Hämatokrit |
w.35-47
|
%
|
43-75
|
%
|
35-67
|
%
|
35-50
|
%
|
|
m.40-52
|
%
|
|
|
|
|
|
|
|
| MCH |
27-33
|
pg
|
30-40
|
pg
|
25-35
|
pg
|
25-35
|
pg
|
| MCV |
78-98
|
fl
|
90-135
|
fl
|
78-120
|
fl
|
78-98
|
fl
|
| Leukozyten |
4,0-10
|
G/l
|
13-38
|
G/l
|
6-18
|
G/l
|
4,5-12
|
G/l
|
| Thrombozyten |
150-350
|
G/l
|
80-210
|
G/l
|
80-440
|
G/l
|
140-440
|
G/l
|
| Differentialblut |
|
|
|
|
|
|
|
|
| Neutrophile |
50-75
|
%
|
|
|
|
|
|
|
| Eosinophile |
1-4
|
%
|
|
|
|
|
|
|
| Basophile |
0-1
|
%
|
|
|
|
|
|
|
| Monozyten |
1-10
|
%
|
|
|
|
|
|
|
| Lymphozyten |
25-40
|
%
|
|
|
|
|
|
|
| Tumormarker |
Referenzbereich
|
erhöht
|
||
| AFP (= Alpha 1-Fetoprotein) |
<
|
8,5
|
U/ml
|
hepatozelluläres Karzinom, Keimzelltumore (Hoden, Ovar), Leberzirrhose, Schwangerschaft |
| Beta-HCG |
|
m<2
|
U/l
|
Keimzelltumore |
|
|
w<7
|
U/l
|
||
| CA 125 |
<
|
35
|
U/ml
|
Ovarialkarzinom, akute Adnexitis, Schwangerschaft |
| CA 15-3 |
<
|
30
|
U/ml
|
Mammakarzinom, Schwangerschaft |
| CA 19-9 |
<
|
37
|
U/ml
|
Pankreaskarzinom, Leberkarzinom, Magenkarzinom, Pankreatitis |
| Calcitonin |
|
m<8
|
pg/ml
|
medulläres Schilddrüsenkarzinom |
|
|
w<5
|
pg/ml
|
||
| CEA |
<
|
3,4
|
ng/ml
|
Kolon-Rektum-Karzinom, Mammakarzinom, medulläres Schilddrüsenkarzinom, Bronchuskarzinom, bei Rauchern erhöht |
| NSE |
<
|
16,3
|
µg/l
|
kleinzelliges Bronchuskarzinom, Neuroblastom, medulläres Schilddrüsenkarzinom |
| PSA |
<
|
4
|
µg/l
|
Prostatakarzinom, Prostatitis, Kompression der Prostata |
| SCC |
<
|
3
|
µg/l
|
Plattenepithelkarzinom d. Lunge, d. Uterus, d. Ösophagus |
| Liquor |
Referenzbereich
|
|
| Albumin |
<35
|
mg/dl
|
| Gesamteiweiß |
18-43
|
mg/dl
|
| Glukose |
40-90
|
mg/dl
|
| IgA |
<0,5
|
mg/dl
|
| IgG |
<3,3
|
mg/dl
|
| IgM |
< 0,2
|
mg/dl
|
| Zellzahl |
< 12
|
ZZ/3
|
| Endokrinologie | Referenzbereiche für Erwachsene |
||
| 1,25-Dihydroxy Vitamin D |
25-66
|
mg/dl
|
Bei chronischer Niereninsuffizienz nicht nachweisbar, bei Vitamin D- Mangel meist im Referenzbereich |
| 17-Hydroxy Progesteron |
|
|
Erhöht bei adrenogenitalem Syndrom (21 Hydroxylase Defekt) |
| Follikuläre Phase Lutealphase Postmenopause |
0,4-1
1,3-4,3 0,2-1,4 |
ng/ml
ng/ml ng/ml |
|
| 25 -Hydroxy Vitamin D |
22-92
|
nmol/l
|
Erniedrigt bei Vitamin D-Mangel, erhöht bei ausgedehnter Sonnenexposition |
| 5-Hydroxyindol-essigsäure |
2-9
|
mg/
24 Std. Harn |
Erhöht bei Karzinoid-Tumoren, cave: Serotonin-hältige Nahrungsmittel und Medikamente |
| Adrenocortico-tropes Hormon (ACTH) |
??-46
|
pg/ml
|
Erniedrigt bei prim. Cushing, sek. Nebenniereninsuffizienz. Erhöht bei sek. Cushing, M. Addison, ektoper ACTH-Produktion, Nelson-Tumor |
| AK g. Thyreoglobulin |
<115
|
IU/ml
|
Kann bei Autoimmun-Thyroiditis erhöht sein, führt zu Interferenzen bei Thyreoglobulin-Analysen |
| AK g. TSH-Rezeptor |
<1,5
|
IU/l
|
Erhöht bei toxischem Knotenstruma, Voraussage maternaler/neonataler Schilddrüsen- Dysfunktionen |
| AK g. Schilddrüsen Peroxidase |
<34
|
IU/ml
|
Erhöht bei Autoimmun-Thyroiditis |
| Aldosteron Harn | Erhöht bei prim., sek. Hyperaldostonismus, Phäochromozytom, Hyperthyreose, Medikamenten. Erniedrigt bei prim., sek. Hypoaldosteronismus, Lakritze, Medikamenten | ||
| Salzarme Diät Salzreiche Diät |
17-44
0-6 |
µg/
24 Std. |
|
| Aldosteron Serum |
|
|
Siehe Aldosteron Harn |
| im Liegen im Stehen |
40-160
310 |
pg/ml
pg/ml |
|
| Androstendion |
|
|
Kann bei Hyperandrogenämie erhöht sein |
| Frauen Männer |
m. 0,6-3,1
w. 0,3-3,3 |
ng/ml
ng/ml |
|
| Beta-HCG (Schwangerchaft) |
Siehe intranet.akhwien.at
|
Für die DD normale Gravidität, Extrauteringravidität, Abort, intrauteriner Fruchttod oder Blasenmole sind meist tägliche Abnahmen erforderlich. | |
| C-Telopeptid (Crosslaps) |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Erhöht bei Knochen-Resorption und bei intensivem Knochenumbau. Kontrolle antiresorptiver Therapien | |
| Chromogranin A |
2-18
|
U/l
|
Erhöht bei endokrinen Tumoren (Phäochromozytom, Neuroblastom, Karzinoid) |
| Cortisol Harn |
36-137
|
µg/
24 Std. |
Erhöht bei adrenaler Hyperplasie und zentralem Cushing. Erniedrigt bei M. Addison, Hypopituitarismus |
| Cortisol Serum |
9,4-23,9
|
µg/dl
|
Gesamt-Cortisol. Siehe Cortisol Harn. cave: Bindungsprotein-Interferenz |
| C-Peptid |
0,5-2,7
|
ng/ml
|
Differentialdiagnose Typ 1/Typ 2 Diabetes. Insulin-Überdosierung: Hypoglykämie, kein C-Peptid-Anstieg! |
| Dehydroepiandrosteron-Sulfat (DHEAS) |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Schwach wirksames Androgen. Erhöht bei Hyperandrogenämie | |
| Erythropietin (EPO) |
<20
|
mU/ml
|
Erniedrigt bei renaler Anämie, Schwangerschaft, rheumatoider Arthritis, AIDS, Tumoranämie, Knochenmarktransplantation |
| Follikel stimulierendes Hormon (FSH) |
m. 1,5-12,4
w. zykusabhängig Menopause 26-135 |
mIU/ml
IU/ml |
Differentialdiagnose gonadale-hypophysäre- hypothalamische Störungen, Abklärung der Amenorrhoe, polycystisches Ovar, Verdacht auf Seroli-Zell Insuffizienz |
| Folsäure |
3,4-38
|
nMol/L
|
Mangel: megaloblastäre Anämie, Diarrhoe, Osteolyse, Fetopathien, Störungen des Methionin-Stoffwechsels |
| Freies Cortisol |
4,3-17,7
|
ng/ml
|
Ungebundene Cortisolfraktion, Berechnung aus Cortisol und Cortisol-Bindungsprotein |
| Freies T3 (Trijodthyronin) |
2,2-4,1
|
pg/ml
|
Verdacht auf T3 Hyperthyreose, Dejodase-Mangel (nieder -T3 Syndrom). Kaum Bindungsprotein-Interferenz |
| Freies T4 (Tetrajodthyronin) |
0,76-1,66
|
ng/dl
|
Differentialdiagnose Hypo-, Eu-, Hyperthyreose. Kaum Bindungsprotein-Interferenz |
| Glukagon |
59-177
|
pg/ml
|
Diagnose des Gluckgonoms, Glukagon-Hyperglycämie. |
| Homocystein |
m. 6,3-15
w. 4,6-12,4 |
µMol/L
|
Stark erhöht bei hereditärer Homocysteinurie Empfindlicher Marker für Folsäure und Vitamin-B12-Mangel. Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen |
| Insulin |
5-25
|
µU/ml
|
Diabetes-Diagnostik: zusammen mit Glukose-Toleranztest |
| Katecholamine im Harn |
|
Durchschnittswert. Erhöht bei Phäochromozytom, Neuroblastom; Verlaufskontrolle | |
| Adrenalin Noradrenalin Dopamin |
-20
23-105 190-450 |
µg/24 Std.
|
|
| Katecholamine im Plasma |
|
|
Erhöht bei Phäochromozytom, Neuroblastom während eines Flush; Verlaufskontrolle |
| Adrenalin Noradrenalin Dopamin |
38-86
160-440 -60 |
ng/L
|
|
| knochenspez. alkalische Phosphatase |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Marker für die Osteoblastenaktivität. Erhöht bei intensivem Knochenumbau und Osteomalazie. Kontrolle anaboler Therapien | |
| Luteotropes Hormon (LH) |
m. 2,2-6,9
w. zyklusabhängig Menopause: 7,7-58,5 |
mIU/ml
IU/ml |
Zykluskontrolle (Ovulationstermin). Differentialdiagnose gonadale-hypophysäre- hypothalamische Störungen, Abklärung der Amenorrhoe, polycystisches Ovar, Verdacht auf Leydig-Zell Insuffizienz |
| Metanephrine im Harn |
|
|
Erhöht bei Phäochromozytom, Neuroblastom, Verlaufskontrolle |
| Metanephrin Normetanephrin |
40-190
190-460 |
µg/24 Std
|
|
| Osteocalcin |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Knochenumbau-Marker (Osteoblasten-Produkt). Kontrolle anaboler Therapien | |
| Östradiol (E2) |
m. 14-60
w. zyklusabhängig Menopause: -25 |
pg/ml
pg/ml |
Nieder bei Ovarialdysgenesie und in der Postmenopause. Zykluskontrolle (IVF) |
| Östron (E1) |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Östrogene Reservekapazität in der Menopause | |
| Östronsulfat (E1S) |
m. 0,2-2,2
w. zyklusabhängig Menopause: -0,6 |
ng/ml
ng/ml |
Östrogen-Speicherform |
| Parathormon (PTH) |
15-65
|
pg/ml
|
Erhöht bei primärem und sekundärem Hyperparathyreoidismus |
| Progesteron |
Siehe: intranet.akhwien.at
|
Erhöht in der Lutealphase, Schwangerschaft und bei Defekten der Steroidhormon-Biosynthese. Vermindert bei Gonadenagenesie, Fruchttod |
|
| Prolaktin |
m. 4,1-18,4
w. 3,4-24,1 |
ng/ml
|
Erhöht bei Hyperprolaktinämie |
| Renin-Aktivität |
|
|
Erhöht bei renaler Hypertonie, M. Addison, sekundärem Hypoaldosteronismus. Vermindert beim primärem Hyperaldosteronismus |
| Im Liegen Im Stehen |
0,2-2,8
1,5-5,7 |
ng/mlxStd.
|
|
| Serotonin im Serum |
m. 40-400
w. 80-450 |
ng/ml
|
Erhöht bei neuroendokrinen Tumoren, Karzinoid-Tumor |
| Trijodthyronin gesamt (T3) |
0,8-1,8
|
ng/ml
|
Verdacht auf T3 Hyperthyreose, Dejodase-Mangel (nieder -T3 Syndrom). CAVE: Bindungsprotein-Interfernz (siehe FT3) |
| Tetrajodthyronin gesamt (T4) |
58-124
|
ng/ml
|
Differentialdiagnose Hypo -, Eu-, Hyperthyreose, CAVE: Bindungsprotein-Interferenz (siehe FT4) |
| Tyroxin bindendes Globulin (TBG) |
14,1-32,1
|
µg/ml
|
Erhöht während Schwangerschaft, oraler Kontrazeption, akuter Hepatitis.Nieder bei Mangelernährung, Leberversagen |
| Testosteron |
m. 3,2-7,4
w. 0,06-0,86 |
ng/ml
|
Erhöht: Hyperanderogenämie, Nebennieren-Hyperplasie. Nieder: Hypogonadismus, Orchitectomie |
| Thyreoglobulin |
4,5-35
|
ng/ml
|
Nach totaler Thyroidektomie und Radiojod-Therapie: nicht nachweisbar |
| Thyreotropin (TSH) |
0,44-3,77
|
µIU/ml
|
Schilddrüsenfunktionsstörungen; mit FT4 und T3 Differential-diagnose von latenten und manifesten Erkrankungen |
| Vasoaktives intestinales Peptid (VIP) |
10-60
|
pg/ml
|
Erhöht bei Verner-Morrison-Syndrom, Ganglio-neuroblastomen, Lungenkarzinomen, Phäochromozytom, medullärem Schilddrüsenkarzinom |
| Vasopressin (antidiuretisches Hormon: ADH) |
-4,5
|
pg/ml
|
Polydipsie und Polyurie bei normalem bis erhöhtem ADH sprechen für Diabetes insipidus renalis |
| Vitamin A |
1,05-2,45
|
µMol/L
|
Mangel: Epithelschäden, Xerophthalmie, Nachtblindheit |
| Vitamin C |
22,7-114
|
µMol/L
|
Essentiell für Hydroxylierungsreaktionen (Zucker-, Steroid-, Kollagen- Synthese). Mangel: Skorbut |
| Vitamin E |
11,6-46,4
|
µMol/L
|
Essentiell für männliche Keimdrüsen, Nervensystem, Muskelzellen, normale Schwangerschaft |
| Vitamin B12 |
118-716
|
pMol/L
|
Mangel: megaloblastären Anämie (Mangel an Folsäure), Spinalerkrankungen, neuropsychatrischer Symptome und Störungen des Methionin-Stoffwechsels |
| Gerinnung |
Referenzbereich
|
erhöht
|
erniedrigt
|
|
| APC-Resistenz |
>3,0
|
|
Faktor V Leiden Mutation | |
| APTT |
27-41
|
s
|
Faktorenmangel im endogenen System, Lupushemmstoff, Heparin | Postoperativ, Entzündungen, |
| Antithrombin Aktivität |
70-120
|
%
|
Akut entzündliche Erkrankungen, KHK | Angeborener Mangel, Lebererkrankung, DIC, |
| D-Dimer |
<0,5
|
µg/ml
|
VTE, Trauma, Sepsis, DIC | |
| dRVVT |
30-48
|
s
|
Faktor II-, V-, X-Mangel, Vitamin-K-Mangel, Lupushemmstoff | |
| Faktor II Aktivität |
75-130
|
%
|
Postoperativ | Angeborener Mangel, Vitamin-K-Mangel, Lebererkrankungen |
| Faktor V Aktivität |
75-130
|
%
|
Angeborener Mangel, schwere Lebererkrankungen, DIC | |
| Faktor VII Aktivität |
75-150
|
%
|
Postoperativ, Gravidität | Angeborener Mangel, Vitamin-K-Mangel, Lebererkrankungen |
| Faktor VIII Aktivität |
60-230
|
%
|
Postoperativ, Lebererkrankungen, entzündliche Prozesse | Angeborener Mangel (Hämophilie A), von Willebrand Syndrom, Inhibitoren |
| Faktor IX Aktivität |
60-140
|
%
|
Angeborener Mangel (Hämophilie B), Vitamin-K-Mangel, Lebererkrankungen | |
| Faktor X Aktivität |
75-130
|
%
|
Angeborener Mangel, Vitamin-K-Mangel, Lebererkrankungen, Amyloidose | |
| Faktor XI Aktivität |
60-140
|
%
|
Angeborener Mangel, Lebererkrankungen | |
| Faktor XII Aktivität |
60-140
|
%
|
Angeborener Mangel | |
| Fibrinogen |
180-390
|
mg/dl
|
Akut entzündliche Erkrankungen, Malignome | A-, Hypo-, Dys-Fibrinogenämie, DIC, Leberparenchymschädigung |
| Fibrinogen Antigen |
180-390
|
mg/dl
|
||
| Heparin-PF4-induzierte Antikörper |
negativ
|
|
HIT Typ II | |
| Plasminogen Aktivität |
65-200
|
%
|
Akut entzündliche Erkrankungen | Angeborener Mangel, DIC, Lebererkrankungen |
| PAI-1 |
1-7
|
U/ml
|
Sepsis, Malignome, Lebererkrankungen, KHK, postoperativ | Ovulationshemmer |
| Protein C Aktivität |
70-140
|
%
|
Ovulationshemmer, Gravidität | Angeborener Mangel, Lebererkrankungen, Vitamin-K-Mangel, DIC |
| Protein C Antigen |
70-140
|
%
|
Ovulationshemmer, Gravidität | Angeborener Mangel, Lebererkrankungen, Vitamin K Mangel, DIC |
| Protein S Aktivität |
60-140
|
%
|
Angeborener Mangel, Vitamin K Mangel | |
| Freies Protein S Antigen |
60-140
|
%
|
Angeborener Mangel, Vitamin K Mangel | |
| Prothrombinfragment F 1,2 |
69-229
|
pmol/l
|
VTE, Trauma, Sepsis, DIC | |
| Normotest (Prothrombinzeit) |
75-140
|
%
|
Nach Lagerung der Probe bei 4° C | Faktorenmangel im exogenen System und der gemeinsamen Endstrecke (ausgenommen Faktor V), Leberschädigung, Vitamin-K-Mangel |
| Reptilasezeit |
<20
|
s
|
Dys-, Hypo-, A-Fibrinogenämie | |
| Thrombinzeit |
<17
|
s
|
Dys-, Hypo-, A-Fibrinogenämie, Heparin, | |
| Von Willebrand Faktor Antigen |
60-180
|
%
|
Akut entzündliche Erkrankungen, Lebererkrankungen, Malignome | Von Willebrand Syndrom |
| Von Willebrand Faktor Ristocetin Kofaktor Aktivität |
60-180
|
%
|
Akut entzündliche Erkrankungen, Lebererkrankungen, Malignome |
Von Willebrand Syndrom |
| Faktor XIII Aktivität |
60-200
|
%
|
Angeborener Mangel, DIC | |
| Thrombotest |
|
%
|
Therapie mit oralen Antikoagulantien | |
Pulmologie
Lungenfibrosen : Diagnose
Lungenfibrosen
Definition
Unter dem Begriff Lungenfibrosen werden Lungenerkrankungen zusammengefasst, die entweder durch eine vorwiegend alveoläre und interstitielle Entzündung oder durch Granulombildung im Lungenparenchym gekennzeichnet sind und zu einer Fibrose fortschreiten können. Grundsätzlich sollte man besser von interstitiellen Lungenerkrankungen sprechen, da nicht jede der mehr als 200 verschiedenen interstitiellen Lungenerkrankungen unbedingt zu einer Fibrose führt.
Diese heterogenen Erkrankungen werden aufgrund ähnlicher klinischer, radiologischer oder pathohistologischer Merkmale in Gruppen zusammengefasst. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen außerdem, dass sie häufig eine beachtliche Morbidität und Letalität aufweisen.
Lungenfibrosen durch alveoläre und interstitielle entzündliche Lungenerkrankungen
Bekannte Ursachen
- Rauch, toxische Gase und Dämpfe
- Arzneimittel (z.B. Amiodaron, Bleomycin, Antibiotika)
- Bestrahlung
- Zustand nach ARDS
- Aspirationspneumonie
- Asbest

Unbekannte Ursachen
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP)
- idiopathische Lungenfibrose (usual interstitial pneumonia, UIP)
- desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
- mit respiratorischer Bronchiolitis assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD)
- akute interstitielle Pneumonie (AIP)
- kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
- nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
Kollagenosen
- Sklerodermie
- systemischer Lupus erythematodes
- rheumatoide Arthritis
Pulmonale Hämorrhagiesyndrome
- Goodpasture-Syndrom
- idiopathische Lungenhämosiderose
Eosinophile Pneumonien
Graft versus host disease (v.a. bei Zustand nach Knochenmarkstransplantation)
Lymphangioleiomyomatose
Granulomatöse interstitielle Lungenerkrankungen mit Fibrose
Bekannte Ursachen
- exogen allergische Alveolitis (organische Stäube)
- Lungenerkrankungen durch anorganische Stäube (Berylliose, Silikose)
Unbekannte Ursachen
- Sarkoidose
- Histiozytosis X, eosinophiles Granulom
- granulomatöse Vaskulitiden (Wegener-Granulomatose, Churg-Strauss-Syndrom)
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP)
Die idiopathischen interstitiellen Pneumonien kommen mit einer Prävalenz von ca. 70/100.000 Einwohnern mit einer leichten Prädominanz bei Männern vor. Die derzeitige Einteilung beruht auf einer Richtlinie, die 2002 gemeinsam von der American Thoracic Society (ATS) und der European Respiratory Society (ERS) veröffentlicht wurde. Zu den sieben definierten Entitäten der IIP kommt eine weitere Entität, eine sog. „nicht klassifizierbare interstitielle Pneumonie“, dazu, die angewendet werden sollte, wenn eine klare Zuordnung nicht möglich ist.
Die Einteilung der IIP erfolgt nach klinischen, radiologischen und pathohistologischen Kriterien. Die Unterscheidung der verschiedenen Entitäten hat klinische Relevanz, weil die therapeutische Beeinflussbarkeit und Prognose je nach dem prädominanten Auftreten des jeweiligen Krankheitsbildes sehr unterschiedlich ist:
- idiopathische pulmonale Fibrose (IPF)
- nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
- kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
- akute interstitielle Pneumonie (AIP)
- mit respiratorischer Bronchiolitis assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD)
- desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
- lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP)
- nicht klassifizierbare interstitielle Pneumonie
Idiopathische pulmonale Fibrose (IPF)
Jene IIP-Entität mit der schlechtesten Prognose. Die IPF betrifft vor allem Patienten im mittleren und höheren Lebensalter (meist >50 Jahre), dementsprechend steigt die Inzidenz mit fortschreitendem Lebensalter und beträgt etwa 10/100.000 Einwohner. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen, auch eine familiäre Häufung wird beobachtet (genetische Komponente). Bedingt durch die schlechte therapeutische Beeinflussbarkeit und den verhältnismäßig raschen, progredienten Verlauf ist die IPF als die ungünstigste Form aller Lungenfibrosen anzusehen. Die mittlere Überlebensrate nach der Diagnosestellung liegt bei 3-5 Jahren.
Klinisch findet sich eine langsam fortschreitende Belastungsdyspnoe, ein beidseits basal betontes Knisterrasseln. Im Thoraxröntgen finden sich basal betonte, subpleurale, retikuläre Verdichtungen. Im HR-CT sind außerdem variable milchglasartige Trübungen wie auch Honigwabenmuster und Traktionsbronchiektasien nachweisbar. In der bronchoalveolären Lavage (BAL) findet sich eine vorwiegend neutrophile Alveolitis. Histologisch ist die IPF durch ausgeprägt inhomogene Veränderungen gekennzeichnet, mit Arealen regulärer Alveolarstruktur, Fibroblastenansammlungen, Arealen milder interstitieller Entzündungsreaktion bis hin zu Honigwabenmuster, als Zeichen fibrotisch umgebauter Lungenbezirke. Das histologische Bild der IPF wird als UIP (usual interstitial pneumonia) bezeichnet. Generell sollte immer eine bioptische Diagnose angestrebt werden. Da im Einzelfall die Diagnose einer IPF auch ohne Lungenbiopsie möglich ist, werden die dafür notwendigen ATS/ERS-Kriterien zur klinischen Diagnose einer IPF wie folgt aufgelistet (es müssen alle Hauptkriterien und 3 von 4 Nebenkriterien erfüllt sein):
Hauptkriterien
- Ausschluss anderer interstitieller Lungenerkrankungen mit bekannter Ursache
- pathologische Lungenfunktion (Restriktion und Gasaustauschstörung): reduzierte CO-Diffusion, reduzierter PaO2 in Ruhe oder Belastung, erhöhte alveolo-arterielle O2-Differenz, AaDO2
- retikuläre Veränderungen in den Lungenbasen im HR-CT
- kein Hinweis auf mögliche andere Diagnose in der transbronchialen Lungenbiopsie oder BAL
Nebenkriterien
- Alter >50 Jahre
- schleichend beginnende Belastungsdyspnoe ohne andere Erklärung
- Erkrankungsdauer mindestens 3 Monate
- inspiratorisches Knisterrasseln (Sklerosiphonie) beidseits basal
Nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
Patienten mit einer NSIP sind bei Diagnosestellung generell eine Dekade jünger als jene mit einer IPF. Das NSIP-Muster gilt nach den veröffentlichten Richtlinien als provisorische Einteilung, zumal es sich auch bei Erkrankungen außerhalb der IIP, wie z.B. bei Kollagenosen, exogen-allergischer Alveolitis und Medikamenten-induzierter Lungenfibrose, findet. Es besteht weder ein Zusammenhang mit Rauchen noch gibt es eine Geschlechtspräferenz. Als markanteste Veränderung im HR-CT gilt der Nachweis von milchglasartigen Trübungen, die meist symmetrisch und in subpleuraler Verteilung vorkommen. Histologisch überwiegt eine homogene interstitielle Fibrose, sog. „Fibrosenester“, wie bei der UIP, fehlen. Das Ansprechen auf Kortikosteroide ist gut, weswegen die Prognose auch deutlich besser und die mittlere Überlebenszeit deutlich länger ist als bei der IPF.
Kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 55 Jahre ohne Geschlechtspräferenz. Anamnestisch besteht oft ein vorausgegangener respiratorischer Infekt. Im CT sind uni- oder bilaterale, fleckförmige alveoläre Konsolidierungen nachweisbar, zudem häufig auch milchglasartige Trübungen und noduläre Veränderungen. In der BAL findet sich eine Lymphozytose. Histologisch ist die COP durch eine organisierende Pneumonie mit organisierender Fibrose (daher auch die Bezeichnung BOOP, bronchiolitis obliterans organizing pneumonia) gekennzeichnet. Gutes Therapieansprechen auf Kortikosteroide, gute Prognose.
Akute interstitielle Pneumonie (AIP)
Sehr seltene, rasch progrediente IIP mit hoher Letalität (>50%), nach den Erstbeschreibern auch Hamman-Rich-Syndrom genannt. Histologisch besteht ein diffuser alveolärer Schaden, der von Veränderungen, wie sie beim ARDS (acute respiratory distress syndrome) vorkommen, nicht zu unterscheiden ist. Erfordert intensivmedizinische Maßnahmen, eine Remission ist möglich.
Respiratorische Bronchiolitis-assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD), desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
Häufig sind langjährige Raucher im Alter zwischen 40 und 50 Jahren betroffen. Radiologisch sind fleckige Milchglastrübungen, zentrilobuläre Knötchen und Zeichen der Bronchopathie nachweisbar. Die BAL ist durch zahlreiche Alveolarmakrophagen gekennzeichnet, die auch histologisch im Bereich der peripheren Atemwege nachweisbar sind.
Auch bei der desquamativen interstitiellen Pneumonie (DIP) kommt es zu einer Anhäufung von Makrophagen in den peripheren Atemwegen. Die Erkrankung kommt auch fast ausschließlich bei Rauchern vor und unterscheidet sich nur wenig von der RB-ILD, wobei die Histologie ein homogeneres Verteilungsmuster aufweist.
Lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP)
Wie bei der AIP handelt es sich bei der LIP um eine sehr seltene Form der IIP, welche gelegentlich im Rahmen anderer Grunderkrankungen (Autoimmunerkrankungen, AIDS) vorkommt. Frauen um 50 sind bevorzugt betroffen; der Erkrankungsverlauf ist langsam progredient.
Zusammenfassung der histologischen Unterscheidungskriterien der idiopathischen interstitiellen Pneumonien (nach Katzenstein & Myers, Am J Respir Crit Care Med 1998; 157: 1301-15)
|
Klinische Diagnose Pathologisches Muster |
IPF UIP |
DIP/RB-ILD DIP/RB-ILD |
AID DAD |
NSIP NSIP |
| Alter der Läsionen | unterschiedlich | uniform | uniform | uniform |
| interstitielle Entzündung | spärlich | spärlich | spärlich | prominent |
| Kollagen/Fibrosierung | fleckförmig |
diffus (DIP) fleckförmig (RB) |
nein | möglich, dann diffus |
| Fibroblastenproliferation | fokal | nein | diffus | selten |
| BOOP | nein | nein | nein | möglich, dann fokal |
| Honigwaben | ja | nein | nein | selten |
|
Alveolarmakrophagen- ansammlung |
möglich |
diffus (DIP) peribronchial (RB) |
nein | möglich |
| hyaline Membranen | nein | nein | möglich | nein |
Allen Formen der IIP ist gemein:
- klinische Symptome: wiederholte, belastungsabhängige Atembeschwerden sowie ein langsames Fortschreiten der Kurzatmigkeit, häufig unproduktiver Husten; eine Ausnahme ist die AIP mit fulminantem Verlauf
- bei der Inspektion des Patienten findet sich zunächst ein verhältnismäßig guter Allgemeinzustand, evtl. finden sich eine Lippenzyanose, Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel
- perkutorisch findet sich eine verminderte Zwerchfellbeweglichkeit
- auskultatorisch finden sich in- (vor allem) und exspiratorische Atemgeräusche (Knisterrasseln oder Sklerosiphonie)
Diagnose der IIP
Anamnese
Wichtig zum Ausschluss anderer bekannter Ursachen!
- berufliche Tätigkeit (z.B. Bergbau, Landwirtschaft)
- Zusammenhang mit bestimmten Tätigkeiten (z.B. Stallfütterung)
- Hobbys (Vogelhalterlunge)
- Auftreten von Beschwerden zeitlich koinzident mit der Einnahme von Medikamenten?
- zugrunde liegende Systemerkrankung (z.B. Kollagenose)
Lungenfunktion, arterielle Blutgasanalyse
- restriktive Ventilationsstörung in der Bodyplethysmographie
- Einschränkung der CO-Diffusion
- PaO2-Abfall unter Belastung
Bildgebende Verfahren
- Thoraxröntgen: diffuse retikuläre oder noduläre Strukturverdichtungen, häufig symmetrisch ausgebildet
- HR-CT: bessere Beurteilbarkeit der interstitiellen Veränderungen, von deren Lokalisation und Ausmaß
Invasive Diagnostik
Zur histopathologischen Charakterisierung!
- Bronchoskopie mit BAL und transbronchialer Biopsie: Einordnung in eine histopathologische Krankheitsentität nicht immer möglich
- offene Lungenbiopsie (Gold Standard) meist mittels video-assistierter Thorakoskopie (VATS)
Granulomatöse interstitielle Lungenerkrankungen mit Fibrose
Bekannte Ursache
Exogen allergische Alveolitis
Bedingt durch Inhalation organischer Stäube, die in den Alveolen eine verzögerte allergische Reaktion mit meist zirkulierenden IgG-Antikörpern hervorrufen. Obwohl sie insgesamt selten vorkommt, spielt sie als Berufserkrankung eine gewisse Rolle. Wichtigste Vertreter:
- Farmerlunge (durch Sporen thermophiler Aktinomyzeten im schimmeligen Heu)
- Vogelhalterlunge (durch Proteine aus Federn und Kot)
Symptome
Auftreten nicht unmittelbar nach Inhalation des Allergens, sondern erst nach einer Latenzzeit von 4-12 Stunden: unproduktiver Husten, thorakales Engegefühl, Fieber, Frösteln und Abgeschlagenheit nach intensiver Exposition (Stallfütterung, Säuberung der Käfige bei Taubenzüchtern)
Diagnostik
- sorgfältige Anamnese
- Nachweis präzipitierender Antikörper (Ouchterlony-Test)
- Sporenfalle
- Lungenfunktion: restriktive Ventilationsstörung, manchmal auch Zeichen einer obstruktiven Ventilationsstörung, die meist durch Betamimetika nicht reversibel ist; Verminderung der CO-Diffusionskapazität, Anstieg der AaDO2 unter Belastung, Ruhehypoxämie bzw. PaO2-Abfall unter Belastung
Unbekannte Ursache
Sarkoidose(Synonym: M. Besnier-Boeck-Schaumann)</p>
Die Sarkoidose ist die häufigste aller fibrosierenden Lungenerkrankungen. Die geschätzte Prävalenz beträgt ca. 10-20/100.000 Einwohner. Es ist eine granulomatöse Systemerkrankung mit bevorzugter Manifestation in der Lunge (>90%). Die Ursache der Sarkoidose ist unbekannt. Als wahrscheinlich gilt ein Defekt in der Antigenpräsentation, der auf Grund einer Antigenpersistenz zu einer gesteigerten granulomatösen Immunantwort führt.</p>
Symptome
Viele pulmonale Sarkoidosen sind zunächst ohne Symptome (oft Zufallsentdeckung durch Thoraxröntgen). Aufgrund der potenziell multiplen Organbeteiligungen können die Symptome mannigfaltig sein. Bei pulmonalem Befall stehen Symptome der Bronchiolitis im Vordergrund (Husten, meist trocken).</p>
Klinik
- akute Sarkoidose (Löfgren-Syndrom)
Ca. 5% der Fälle, meist junge Frauen. Typische Trias: (Sprunggelenks-) Arthritis, Erythema nodosum, bihiläre Lymphadenopathie.Bei akuter Sarkoidose hohe Spontanheilungsrate, jedoch auf Grund von Schmerzsymptomatik (des Erythema nodosum) werden meist vorübergehend NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) verabreicht.
- chronische bzw. chronifizierende Sarkoidose
Erkrankung mit bevorzugter Manifestation im jungen Erwachsenenalter (20. bis 40. Lebensjahr). Der Verlauf der Erkrankung variiert erheblich - meist klingt die Erkrankung nach 2-3 Jahren ab; in etwa 20-30% der Fälle kommt es jedoch zur Chronifizierung.
Einteilung
Erfolgt nach der radiologischen Lungenbeteiligung.
| Stadium 0 | isolierte extrapulmonale Organsarkoidose |
| Stadium I | bihiläre Lymphknotenvergrößerung |
| Stadium II | + interstitielle Beteiligung der Lunge |
| Stadium III | Lungenbefall ohne Lymphadenopathie |
| Stadium IV | Lungenfibrose |
Pathohistologie
Typisch sind nicht nekrotisierende epithelidzellige Granulome peribronchial, im lymphatischen Gewebe oder im perivaskulären interstitiellen Lungengewebe oder in anderen Organen.
Diagnose
- Thoraxröntgen (Stadium 0-IV)
- HR-CT
- bioptische Diagnosesicherung meist mittels transbronchialer Biopsie (Bronchoskopie), Hautstanze bei kutaner Sarkoidose oder LK-Biopsie bei Lymphknotenbefall; bei (radiologischem) Stadium I ist die Diagnose trotzdem in >80% der Fälle mittels Nachweis der typischen pathohistologischen Veränderungen aus dem Lungengewebe (Bronchoskopie) zu sichern
- Lungenfunktion: typisch ist im Stadium I (häufig zunächst auch noch in Stadium II) eine nicht reversible obstruktive Ventilationsstörung, bei fortschreitendem Verlauf kommt es zu einer restriktiven Ventilationsstörung; blutgasanalytisch zu einer Diffusionsstörung
- Spiroergometrie (Diffusionsstörung)
- Labor: manchmal Hyperkalzämie, ACE-Erhöhung (evtl. Verlaufsparameter)
- Gallium-Scan (Anreicherung von Gallium-67 v.a. in betroffenen Makrophagen)
Differenzialdiagnose
- exogen allergische Alveolitis (Anamnese, Nachweis präzipitierender Antikörper)
- Tuberkulose (Erregernachweis)
- Lymphom (insbesondere bei bihilärer Lymphadenopathie und Mattigkeit, Nachtschweiß, Fieber und negativer transbronchialer Biopsie ist eine Diagnosesicherung mittels Mediastinoskopie notwendig)
Pulmologie
Lungenfibrosen : Diagnose
Lungenfibrosen
Definition
Unter dem Begriff Lungenfibrosen werden Lungenerkrankungen zusammengefasst, die entweder durch eine vorwiegend alveoläre und interstitielle Entzündung oder durch Granulombildung im Lungenparenchym gekennzeichnet sind und zu einer Fibrose fortschreiten können. Grundsätzlich sollte man besser von interstitiellen Lungenerkrankungen sprechen, da nicht jede der mehr als 200 verschiedenen interstitiellen Lungenerkrankungen unbedingt zu einer Fibrose führt.
Diese heterogenen Erkrankungen werden aufgrund ähnlicher klinischer, radiologischer oder pathohistologischer Merkmale in Gruppen zusammengefasst. Gemeinsam ist diesen Erkrankungen außerdem, dass sie häufig eine beachtliche Morbidität und Letalität aufweisen.
Lungenfibrosen durch alveoläre und interstitielle entzündliche Lungenerkrankungen
Bekannte Ursachen
- Rauch, toxische Gase und Dämpfe
- Arzneimittel (z.B. Amiodaron, Bleomycin, Antibiotika)
- Bestrahlung
- Zustand nach ARDS
- Aspirationspneumonie
- Asbest

Unbekannte Ursachen
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP)
- idiopathische Lungenfibrose (usual interstitial pneumonia, UIP)
- desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
- mit respiratorischer Bronchiolitis assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD)
- akute interstitielle Pneumonie (AIP)
- kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
- nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
Kollagenosen
- Sklerodermie
- systemischer Lupus erythematodes
- rheumatoide Arthritis
Pulmonale Hämorrhagiesyndrome
- Goodpasture-Syndrom
- idiopathische Lungenhämosiderose
Eosinophile Pneumonien
Graft versus host disease (v.a. bei Zustand nach Knochenmarkstransplantation)
Lymphangioleiomyomatose
Granulomatöse interstitielle Lungenerkrankungen mit Fibrose
Bekannte Ursachen
- exogen allergische Alveolitis (organische Stäube)
- Lungenerkrankungen durch anorganische Stäube (Berylliose, Silikose)
Unbekannte Ursachen
- Sarkoidose
- Histiozytosis X, eosinophiles Granulom
- granulomatöse Vaskulitiden (Wegener-Granulomatose, Churg-Strauss-Syndrom)
Idiopathische interstitielle Pneumonien (IIP)
Die idiopathischen interstitiellen Pneumonien kommen mit einer Prävalenz von ca. 70/100.000 Einwohnern mit einer leichten Prädominanz bei Männern vor. Die derzeitige Einteilung beruht auf einer Richtlinie, die 2002 gemeinsam von der American Thoracic Society (ATS) und der European Respiratory Society (ERS) veröffentlicht wurde. Zu den sieben definierten Entitäten der IIP kommt eine weitere Entität, eine sog. „nicht klassifizierbare interstitielle Pneumonie“, dazu, die angewendet werden sollte, wenn eine klare Zuordnung nicht möglich ist.
Die Einteilung der IIP erfolgt nach klinischen, radiologischen und pathohistologischen Kriterien. Die Unterscheidung der verschiedenen Entitäten hat klinische Relevanz, weil die therapeutische Beeinflussbarkeit und Prognose je nach dem prädominanten Auftreten des jeweiligen Krankheitsbildes sehr unterschiedlich ist:
- idiopathische pulmonale Fibrose (IPF)
- nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
- kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
- akute interstitielle Pneumonie (AIP)
- mit respiratorischer Bronchiolitis assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD)
- desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
- lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP)
- nicht klassifizierbare interstitielle Pneumonie
Idiopathische pulmonale Fibrose (IPF)
Jene IIP-Entität mit der schlechtesten Prognose. Die IPF betrifft vor allem Patienten im mittleren und höheren Lebensalter (meist >50 Jahre), dementsprechend steigt die Inzidenz mit fortschreitendem Lebensalter und beträgt etwa 10/100.000 Einwohner. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen, auch eine familiäre Häufung wird beobachtet (genetische Komponente). Bedingt durch die schlechte therapeutische Beeinflussbarkeit und den verhältnismäßig raschen, progredienten Verlauf ist die IPF als die ungünstigste Form aller Lungenfibrosen anzusehen. Die mittlere Überlebensrate nach der Diagnosestellung liegt bei 3-5 Jahren.
Klinisch findet sich eine langsam fortschreitende Belastungsdyspnoe, ein beidseits basal betontes Knisterrasseln. Im Thoraxröntgen finden sich basal betonte, subpleurale, retikuläre Verdichtungen. Im HR-CT sind außerdem variable milchglasartige Trübungen wie auch Honigwabenmuster und Traktionsbronchiektasien nachweisbar. In der bronchoalveolären Lavage (BAL) findet sich eine vorwiegend neutrophile Alveolitis. Histologisch ist die IPF durch ausgeprägt inhomogene Veränderungen gekennzeichnet, mit Arealen regulärer Alveolarstruktur, Fibroblastenansammlungen, Arealen milder interstitieller Entzündungsreaktion bis hin zu Honigwabenmuster, als Zeichen fibrotisch umgebauter Lungenbezirke. Das histologische Bild der IPF wird als UIP (usual interstitial pneumonia) bezeichnet. Generell sollte immer eine bioptische Diagnose angestrebt werden. Da im Einzelfall die Diagnose einer IPF auch ohne Lungenbiopsie möglich ist, werden die dafür notwendigen ATS/ERS-Kriterien zur klinischen Diagnose einer IPF wie folgt aufgelistet (es müssen alle Hauptkriterien und 3 von 4 Nebenkriterien erfüllt sein):
Hauptkriterien
- Ausschluss anderer interstitieller Lungenerkrankungen mit bekannter Ursache
- pathologische Lungenfunktion (Restriktion und Gasaustauschstörung): reduzierte CO-Diffusion, reduzierter PaO2 in Ruhe oder Belastung, erhöhte alveolo-arterielle O2-Differenz, AaDO2
- retikuläre Veränderungen in den Lungenbasen im HR-CT
- kein Hinweis auf mögliche andere Diagnose in der transbronchialen Lungenbiopsie oder BAL
Nebenkriterien
- Alter >50 Jahre
- schleichend beginnende Belastungsdyspnoe ohne andere Erklärung
- Erkrankungsdauer mindestens 3 Monate
- inspiratorisches Knisterrasseln (Sklerosiphonie) beidseits basal
Nicht spezifische interstitielle Pneumonie (NSIP)
Patienten mit einer NSIP sind bei Diagnosestellung generell eine Dekade jünger als jene mit einer IPF. Das NSIP-Muster gilt nach den veröffentlichten Richtlinien als provisorische Einteilung, zumal es sich auch bei Erkrankungen außerhalb der IIP, wie z.B. bei Kollagenosen, exogen-allergischer Alveolitis und Medikamenten-induzierter Lungenfibrose, findet. Es besteht weder ein Zusammenhang mit Rauchen noch gibt es eine Geschlechtspräferenz. Als markanteste Veränderung im HR-CT gilt der Nachweis von milchglasartigen Trübungen, die meist symmetrisch und in subpleuraler Verteilung vorkommen. Histologisch überwiegt eine homogene interstitielle Fibrose, sog. „Fibrosenester“, wie bei der UIP, fehlen. Das Ansprechen auf Kortikosteroide ist gut, weswegen die Prognose auch deutlich besser und die mittlere Überlebenszeit deutlich länger ist als bei der IPF.
Kryptogene organisierende Pneumonie (COP)
Das mittlere Erkrankungsalter beträgt 55 Jahre ohne Geschlechtspräferenz. Anamnestisch besteht oft ein vorausgegangener respiratorischer Infekt. Im CT sind uni- oder bilaterale, fleckförmige alveoläre Konsolidierungen nachweisbar, zudem häufig auch milchglasartige Trübungen und noduläre Veränderungen. In der BAL findet sich eine Lymphozytose. Histologisch ist die COP durch eine organisierende Pneumonie mit organisierender Fibrose (daher auch die Bezeichnung BOOP, bronchiolitis obliterans organizing pneumonia) gekennzeichnet. Gutes Therapieansprechen auf Kortikosteroide, gute Prognose.
Akute interstitielle Pneumonie (AIP)
Sehr seltene, rasch progrediente IIP mit hoher Letalität (>50%), nach den Erstbeschreibern auch Hamman-Rich-Syndrom genannt. Histologisch besteht ein diffuser alveolärer Schaden, der von Veränderungen, wie sie beim ARDS (acute respiratory distress syndrome) vorkommen, nicht zu unterscheiden ist. Erfordert intensivmedizinische Maßnahmen, eine Remission ist möglich.
Respiratorische Bronchiolitis-assoziierte interstitielle Lungenerkrankung (RB-ILD), desquamative interstitielle Pneumonie (DIP)
Häufig sind langjährige Raucher im Alter zwischen 40 und 50 Jahren betroffen. Radiologisch sind fleckige Milchglastrübungen, zentrilobuläre Knötchen und Zeichen der Bronchopathie nachweisbar. Die BAL ist durch zahlreiche Alveolarmakrophagen gekennzeichnet, die auch histologisch im Bereich der peripheren Atemwege nachweisbar sind.
Auch bei der desquamativen interstitiellen Pneumonie (DIP) kommt es zu einer Anhäufung von Makrophagen in den peripheren Atemwegen. Die Erkrankung kommt auch fast ausschließlich bei Rauchern vor und unterscheidet sich nur wenig von der RB-ILD, wobei die Histologie ein homogeneres Verteilungsmuster aufweist.
Lymphoide interstitielle Pneumonie (LIP)
Wie bei der AIP handelt es sich bei der LIP um eine sehr seltene Form der IIP, welche gelegentlich im Rahmen anderer Grunderkrankungen (Autoimmunerkrankungen, AIDS) vorkommt. Frauen um 50 sind bevorzugt betroffen; der Erkrankungsverlauf ist langsam progredient.
Zusammenfassung der histologischen Unterscheidungskriterien der idiopathischen interstitiellen Pneumonien (nach Katzenstein & Myers, Am J Respir Crit Care Med 1998; 157: 1301-15)
|
Klinische Diagnose Pathologisches Muster |
IPF UIP |
DIP/RB-ILD DIP/RB-ILD |
AID DAD |
NSIP NSIP |
| Alter der Läsionen | unterschiedlich | uniform | uniform | uniform |
| interstitielle Entzündung | spärlich | spärlich | spärlich | prominent |
| Kollagen/Fibrosierung | fleckförmig |
diffus (DIP) fleckförmig (RB) |
nein | möglich, dann diffus |
| Fibroblastenproliferation | fokal | nein | diffus | selten |
| BOOP | nein | nein | nein | möglich, dann fokal |
| Honigwaben | ja | nein | nein | selten |
|
Alveolarmakrophagen- ansammlung |
möglich |
diffus (DIP) peribronchial (RB) |
nein | möglich |
| hyaline Membranen | nein | nein | möglich | nein |
Allen Formen der IIP ist gemein:
- klinische Symptome: wiederholte, belastungsabhängige Atembeschwerden sowie ein langsames Fortschreiten der Kurzatmigkeit, häufig unproduktiver Husten; eine Ausnahme ist die AIP mit fulminantem Verlauf
- bei der Inspektion des Patienten findet sich zunächst ein verhältnismäßig guter Allgemeinzustand, evtl. finden sich eine Lippenzyanose, Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel
- perkutorisch findet sich eine verminderte Zwerchfellbeweglichkeit
- auskultatorisch finden sich in- (vor allem) und exspiratorische Atemgeräusche (Knisterrasseln oder Sklerosiphonie)
Diagnose der IIP
Anamnese
Wichtig zum Ausschluss anderer bekannter Ursachen!
- berufliche Tätigkeit (z.B. Bergbau, Landwirtschaft)
- Zusammenhang mit bestimmten Tätigkeiten (z.B. Stallfütterung)
- Hobbys (Vogelhalterlunge)
- Auftreten von Beschwerden zeitlich koinzident mit der Einnahme von Medikamenten?
- zugrunde liegende Systemerkrankung (z.B. Kollagenose)
Lungenfunktion, arterielle Blutgasanalyse
- restriktive Ventilationsstörung in der Bodyplethysmographie
- Einschränkung der CO-Diffusion
- PaO2-Abfall unter Belastung
Bildgebende Verfahren
- Thoraxröntgen: diffuse retikuläre oder noduläre Strukturverdichtungen, häufig symmetrisch ausgebildet
- HR-CT: bessere Beurteilbarkeit der interstitiellen Veränderungen, von deren Lokalisation und Ausmaß
Invasive Diagnostik
Zur histopathologischen Charakterisierung!
- Bronchoskopie mit BAL und transbronchialer Biopsie: Einordnung in eine histopathologische Krankheitsentität nicht immer möglich
- offene Lungenbiopsie (Gold Standard) meist mittels video-assistierter Thorakoskopie (VATS)
Granulomatöse interstitielle Lungenerkrankungen mit Fibrose
Bekannte Ursache
Exogen allergische Alveolitis
Bedingt durch Inhalation organischer Stäube, die in den Alveolen eine verzögerte allergische Reaktion mit meist zirkulierenden IgG-Antikörpern hervorrufen. Obwohl sie insgesamt selten vorkommt, spielt sie als Berufserkrankung eine gewisse Rolle. Wichtigste Vertreter:
- Farmerlunge (durch Sporen thermophiler Aktinomyzeten im schimmeligen Heu)
- Vogelhalterlunge (durch Proteine aus Federn und Kot)
Symptome
Auftreten nicht unmittelbar nach Inhalation des Allergens, sondern erst nach einer Latenzzeit von 4-12 Stunden: unproduktiver Husten, thorakales Engegefühl, Fieber, Frösteln und Abgeschlagenheit nach intensiver Exposition (Stallfütterung, Säuberung der Käfige bei Taubenzüchtern)
Diagnostik
- sorgfältige Anamnese
- Nachweis präzipitierender Antikörper (Ouchterlony-Test)
- Sporenfalle
- Lungenfunktion: restriktive Ventilationsstörung, manchmal auch Zeichen einer obstruktiven Ventilationsstörung, die meist durch Betamimetika nicht reversibel ist; Verminderung der CO-Diffusionskapazität, Anstieg der AaDO2 unter Belastung, Ruhehypoxämie bzw. PaO2-Abfall unter Belastung
Unbekannte Ursache
Sarkoidose(Synonym: M. Besnier-Boeck-Schaumann)</p>
Die Sarkoidose ist die häufigste aller fibrosierenden Lungenerkrankungen. Die geschätzte Prävalenz beträgt ca. 10-20/100.000 Einwohner. Es ist eine granulomatöse Systemerkrankung mit bevorzugter Manifestation in der Lunge (>90%). Die Ursache der Sarkoidose ist unbekannt. Als wahrscheinlich gilt ein Defekt in der Antigenpräsentation, der auf Grund einer Antigenpersistenz zu einer gesteigerten granulomatösen Immunantwort führt.</p>
Symptome
Viele pulmonale Sarkoidosen sind zunächst ohne Symptome (oft Zufallsentdeckung durch Thoraxröntgen). Aufgrund der potenziell multiplen Organbeteiligungen können die Symptome mannigfaltig sein. Bei pulmonalem Befall stehen Symptome der Bronchiolitis im Vordergrund (Husten, meist trocken).</p>
Klinik
- akute Sarkoidose (Löfgren-Syndrom)
Ca. 5% der Fälle, meist junge Frauen. Typische Trias: (Sprunggelenks-) Arthritis, Erythema nodosum, bihiläre Lymphadenopathie.Bei akuter Sarkoidose hohe Spontanheilungsrate, jedoch auf Grund von Schmerzsymptomatik (des Erythema nodosum) werden meist vorübergehend NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) verabreicht.
- chronische bzw. chronifizierende Sarkoidose
Erkrankung mit bevorzugter Manifestation im jungen Erwachsenenalter (20. bis 40. Lebensjahr). Der Verlauf der Erkrankung variiert erheblich - meist klingt die Erkrankung nach 2-3 Jahren ab; in etwa 20-30% der Fälle kommt es jedoch zur Chronifizierung.
Einteilung
Erfolgt nach der radiologischen Lungenbeteiligung.
| Stadium 0 | isolierte extrapulmonale Organsarkoidose |
| Stadium I | bihiläre Lymphknotenvergrößerung |
| Stadium II | + interstitielle Beteiligung der Lunge |
| Stadium III | Lungenbefall ohne Lymphadenopathie |
| Stadium IV | Lungenfibrose |
Pathohistologie
Typisch sind nicht nekrotisierende epithelidzellige Granulome peribronchial, im lymphatischen Gewebe oder im perivaskulären interstitiellen Lungengewebe oder in anderen Organen.
Diagnose
- Thoraxröntgen (Stadium 0-IV)
- HR-CT
- bioptische Diagnosesicherung meist mittels transbronchialer Biopsie (Bronchoskopie), Hautstanze bei kutaner Sarkoidose oder LK-Biopsie bei Lymphknotenbefall; bei (radiologischem) Stadium I ist die Diagnose trotzdem in >80% der Fälle mittels Nachweis der typischen pathohistologischen Veränderungen aus dem Lungengewebe (Bronchoskopie) zu sichern
- Lungenfunktion: typisch ist im Stadium I (häufig zunächst auch noch in Stadium II) eine nicht reversible obstruktive Ventilationsstörung, bei fortschreitendem Verlauf kommt es zu einer restriktiven Ventilationsstörung; blutgasanalytisch zu einer Diffusionsstörung
- Spiroergometrie (Diffusionsstörung)
- Labor: manchmal Hyperkalzämie, ACE-Erhöhung (evtl. Verlaufsparameter)
- Gallium-Scan (Anreicherung von Gallium-67 v.a. in betroffenen Makrophagen)
Differenzialdiagnose
- exogen allergische Alveolitis (Anamnese, Nachweis präzipitierender Antikörper)
- Tuberkulose (Erregernachweis)
- Lymphom (insbesondere bei bihilärer Lymphadenopathie und Mattigkeit, Nachtschweiß, Fieber und negativer transbronchialer Biopsie ist eine Diagnosesicherung mittels Mediastinoskopie notwendig)
Kardiologie & Gefäßmedizin
Proteinurie: Diagnose
Proteinurie
Definitiondes nephrotischen Syndroms
Die große Proteinurie führt in der Regel zum "nephrotischen Syndrom".
Das nephrotische Syndrom ist definiert als Kombination von
- Proteinurie > 3,5 g/24 Std. (bei ausgeprägter Hypoproteinämie zuweilen geringer)
- Hypoproteinämie (Albuminkonzentration < 2,5 g %)
- Dysproteinämie (Alpha-2- und Beta-Globulinerhöhung)
- Hyperlipidämie
- Ödemen
Ätiologie einer Proteinurie
Akute und chronische Glomerulonephritis (G.N.)
Minimal proliferierende interkapilläre G.N. (Lipoidnephrose, Minimal- changes-Nephritis), membranöse, extrakapillär-, intrakapillär-, mesangial-proliferative Glomerulonephritis, membranoproliferative G.N.
Stoffwechselkrankheiten
- Diabetische Glomerulosklerose (diffuse und noduläre Form)
- Amyloidose
- Plasmozytom
Systemkrankheiten
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE)
- Goodpasture-Syndrom
- Wegenersche Granulomatose
- Panarteriitis nodosa
- Dermatomyositis (sehr fraglich)
- Maligne Erkrankungen, Lymphogranulomatose, lymphatische Leukämie, Karzinome (durch Tumorantigene sekundäre GN)
Vaskuläre Ursachen
- Nierenvenenthrombose
- Pericarditis constrictiva
- Rechtsherzinsuffizienz
- Sichelzellenanämie
- Sarkoidose (M. Boeck)
- Nierenarterienstenose (sehr selten, Ursache einer Proteinurie - in der Regel nur bei glomerulärer Schädung durch den Hyertonus)
- Essentielle und sekundäre Hypertonie (für etwa 30 % aller Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz verantwortlich)
Medikamente, biologische und chemische Gifte, Allergene
- Organische Quecksilberverbindungen
- Anorganische Quecksilberverbindungen
- Wismut
- Gold
- Schlangengifte
- Tri-/Paramethadion
- Probenecid
- Penicillamin
- Serumtherapie und Vakzination
- Heroin (chronischer Abusus - Auftreten einer chronischen GN möglich)
- Perchlorat
- EDTA
Bakterien, Viren u. a. Mikroorganismen
- Zytomegalie
- Syphilis
- Malaria
- Lepra
- Schistosomiasis
- Hepatitis B, C (mit sekundärer GN, mit Immunkomplex-GN?)
- Tuberkulose
- AIDS (HIV)
Kongenitales nephrotisches Syndrom
Hereditäre Nephritis
Schwangerschaftsnephropathie
Chronische Transplantatabstoßungsreaktion
Bei dieser Erkrankung entsteht das nephrotische Syndrom meist durch eine (peri-)membranöse Immunkomplexnephritis
Laboruntersuchungen (je nach klinischem Verdacht)
- Blutzucker (Kimmelstiel-Wilson)
- Rektum- bzw. Dünndarmbiopsie (Amyloidose)
- Komplement i. S., C3d/C4-Quotient (SLE-Nephritis, membranoproliferative G.N.)
- Zellkernantikörper, ANF-Titer, ds-DNS-Antikörper (SLE)
- Tine-Test (Tbc, M. Boeck)
- Basalmembranantikörper (Goodpasture)
- SLE (Lues)
- Antizytoplasmatische Antikörper (Wegenersche Granulomatose)
- HIV-Antikörper (AIDS)
- Immunelektrophorese (Plasmozytom)
- Angiographie (vaskuläre Ursachen)
- Lymphknotenbiopsie (M. Hodgkin)
- Nierenbiopsie = Goldstandard in der Abklärung jeglicher unklarer Proteinurie, sollte generell Basis jeder Therapieentscheidung sein! (Glomerulonephritis, Systemkrankheiten)
Augenerkrankungen: Diagnose
Erkrankungen des äußeren Auges
LIDER UND HAUT
Gerstenkorn (Hordeolum)
Definition
Akute, eitrige Entzündung der kleinen Lidranddrüsen
Symptome
- Rötung und lokalisierte Lidschwellung mit Ausbildung eines Eiterpünktchens meist am Lidrand
- Spannungs- und Druckgefühl im Lid
- Tränenfluss
- verengte Lidspalte
- starke Druckschmerzhaftigkeit
Merke
Bei immer neuem Auftreten von Gerstenkörnern (Hordeolosis) an Diabetes mellitus denken!
Hagelkorn (Chalazion)
Definition
Granulomatöse Entzündung der Lidtalgdrüsen
Symptome
- Linsen- bis erbsengroßer Knoten im Augenlid, gelegentlich anfangs entzündlich verändert
Ektropium
Definition
Alters- oder narbenbedingte Auswärtskehrung des Lidrandes
Symptome
- Tränenfluss
- chronische Konjunktivitis
- Lidhautekzem
Entropium
Definition
Alters- oder narbenbedingte Einwärtskehrung des Lidrandes
Symptome
- Tränenfluss
- Bindehautreizung
- Kratzeffekte auf der Hornhaut durch schleifende Wimpern, Infektionsgefahr für die Hornhaut
Trichiasis
Definition
Wimpern wachsen einwärts und schleifen an der Hornhaut und Bindehaut
Symptome
- Fremdkörpergefühl
- Tränenfluss
- Bindehautreizung
- Kratzeffekte auf der Hornhaut durch schleifende Wimpern, Infektionsgefahr für die Hornhaut
Lagophthalmus
Definition
Erweiterte, klaffende Lidspalte mit verstrichener Nasolabialfalte und herabhängendem Mundwinkel bei gleichseitiger peripherer Fazialisparese. Oft partieller Lidschluss über Hornhaut noch möglich, in anderen Fällen Lidschlussvermögen völlig aufgehoben.
Symptome
- Bei Lidschlussversuch weicht das Auge nach oben ab (Bell'sches Phänomen).
- Gleichzeitig Lähmungsektropium sowie Austrocknung und Schädigung der nicht vom Lid bedeckten unteren Hornhautanteile (Gefahr der Entzündung: Keratitis e lagophthalmo)
Ptosis
Definition
Doppel- oder einseitig herabhängendes Oberlid
Ursachen
Meist angeboren; seltener im Rahmen einer plötzlich auftretenden Okulomotoriuslähmung (dann in der Regel einseitig).
Basaliom
Definition
Häufigster maligner Lidtumor, geht von den ephithelialen Basalzellen aus. Wächst lokal infiltrierend und destruierend, jedoch ohne Metastasen.
Symptome
Langsam wachsendes schmerzloses Knötchen, typisch mit perlschnurartig erhobenem Rand und Teleangiektasien. Bei Fortschreiten häufig Ulzeration.
Exophthalmus
(siehe auch eigenes Kapitel "Exophthalmus")
(auch Protrusio oder Proptosis)
Definition
Hervorstehen meist eines, seltener (in etwa 10%) beider Augen
Symptome
- Fremdkörpergefühl
- ev. Doppelbilder
Diagnostik:
- Blick von oben (Stirnseite) auf beide Augen
- Hertel-Exophthalmometerie (Normalwert <20mm, Seitenunterschied <2mm)
- Retropulsation (vorsichtig beide Augen nach hinten drücken - Seitenvergleich)
- Echographie
Ursachen:
- endokrine Orbitopathie (10% aller Fälle einseitig!)
- Tumoren (1/3 aller Fälle)
- Entzündungen des Orbitalraumes (Orbitalphlegmone: Notfall, Ursache meist Nebenhöhlenentzündungen)
- Verletzungen (Orbitalhämatom)
- vaskuläre Prozesse (pulsierend bei Aneurysmen)
- Systemerkrankungen (Leukosen, M. Hodgkin)
- Dyskranien (in der Regel doppelseitig)
TRÄNENWEGE
Dakryozystitis
Definition
Entzündung des Tränensackes aufgrund einer Abflussstörung
Symptome
- Rötung und schmerzhafte Schwellung im Bereich des Tränensackes
- Schmerzen eventuell ausstrahlend
Formen
- Akute Dakryozystitis
- Chronische Dakryozystitis
- Dakryozystitis neonatorum
Differentialdiagnose
- Hordeolum, Orbitaphlegmone
Beachte: Bei Ausbreitung in die Umgebung besteht die Gefahr einer Dakryophlegmone mit möglichen lebensgefährlichen Komplikationen wie Sepsis und Sinus-cavernosus-Thrombose!
Dakryoadenitis
Definition
Akute oder chronische Entzündung der Tränendrüse
Symptome
- Rötung und schmerzhafte Schwellung des Oberlides (meist „paragraphenförmig“)
Formen
- Akute Dakryoadenitis
- Chronische Dakryoadenitis
Differenzialdiagnose
Hordeolum, Lidabszess, Orbitaphlegmone
BINDEHAUT (KONJUNKTIVA)
Keratokonjunktivitis sicca ("trockenes Auge")
Symptome
- Brennen und Fremdkörpergefühl ("wie Sand im Auge")
- Reizepiphora (Sekretion)
- subjektiv "müde Augen"
Befund
- Reduzierte Tränenproduktion: pathologischer Schirmer-Test, Break-up-time (BUT) reduziert, Lipidinterferenztest
- Ein trockenes Auge kann auch Symptom einer Systemerkrankung sein! (z.B. Sjögren-Syndrom, chronische Polyarthritis, Kollagenosen, M. Boeck)
Flügelfell (Pterygium)
Symptome
- keine
- im fortgeschrittenen Stadium Sehverschlechterung durch Astigmatismus, Doppelbilder
Befund
- Bindehaut wächst meist von nasal auf die Hornhaut vor (dreieckige Kontur)
- vor allem in Ländern mit starker Sonneneinstrahlung
Akute Konjunktivitis
Symptome
- Brennen
- Druck- oder Fremdkörpergefühl
- Morgens verklebte Lider
- Sehstörung wechselnden Grades durch Schleim auf der Hornhaut
Befund
- Bindehautschwellung (Chemosis)
- Vermehrte Gefäßfüllung (konjunktivale Injektion) der Bindehaut
- Wässrige, schleimige oder eitrige Sekretion
Beachte: Ektropionieren der Lider, um Fremdkörper auszuschließen!
Chronische Konjunktivitis
Symptome
- Stärkere subjektive Beschwerden
- nur wenig Sekretion und Injektion
- öfter Follikelschwellung in den Übergangsfalten
Beachte: Ektropionieren der Lider, um Fremdkörper auszuschließen!
Hyposphagma
Befund
Flächenhafte, lackartig-homogene, scharf begrenzte, leuchtend-rote Verfärbung der Bindehaut (ohne sichtbare Gefäße).
Verlauf
- Bildet sich binnen weniger Tage spontan zurück
- Entweder als Verletzungsfolge oder spontan auftretend
Beachte: Bei spontanem Hyposphagma internistische Durchuntersuchung auf mögliche Ursachen (Hypertonie, Gerinnung, Diabetes)!
Bindehautnaevus
Symptome
Keine, eventuell kosmetisch störend
Befund
Homogen pigmentierter Fleck an der Bindehaut, eventuell prominent
Bindehautmelanom
Symptome
Keine subjektiven Beschwerden
Befund
Pigmentierter Fleck an der Bindehaut, eventuell prominent
HORNHAUT (KORNEA)
Keratokonus
Definition
Meist bilaterale Vorwölbung der Hornhautmitte (kegelförmig) meist mit Hornhautverdünnung und Trübung des Stromas
Symptome
- myoper, oft irregulärer Astigmatismus mit Sehverschlechterung
- Schmerzen und Photophobie
- Tränenfluss
Befund
- Bestimmung der Hornhautkrümmung mit dem Ophthalmometer
- Konische Vorwölbung der zentralen Hornhaut auch durch Verformung der Unterlidkontur bei Untersuchung von oben zu erkennen (= Munson-Zeichen)
Keratitis
Symptome
- Fremdkörpergefühl, stechende, brennende, meist starke, mehr oberflächliche Schmerzen
- Licht- und Blendungsempfindlichkeit; u. U. stärkere Sehverschlechterung
- Tränenfluss, Blepharospasmus
Befund
- Füllung der oberflächlichen und tiefen Gefäße (ziliare oder gemischte Injektion)
- Grau-weiße Hornhauttrübung (Infiltrat)
- Mattes Spiegelbildchen (Epithelödem)
- Oft anfärbbarer Oberflächendefekt (Fluoreszeinteststreifen) entweder als Erosio oder Ulcus corneae
- Manchmal herabgesetzte Sensibilität (z.B. bei Herpes corneae oder Keratitis neuroparalytica)
- Hornhautgeschwüre können auch durch infizierte Kontaktlinsen, insbesondere sog. Dauertragelinsen gerade bei älteren Patienten (häufig Pseudomonas aeruginosa) bedingt sein.
Hornhautfremdkörper
Siehe „Oberflächliche Fremdkörperverletzungen“
LEDERHAUT (SKLERA)
Sklera: Lederhaut des Auges; äußere feste Hülle des Augapfels aus derbem, kollagenem Bindegewebe
Episkleritis / Skleritis / Myositis
Episkleritis - Symptome
- leichte Beschwerden (Fremdkörpergefühl)
- In einem Sektor umschriebener, eventuell buckelig vorgewölbter, wenig druckschmerzhafter Entzündungsherd unter der Bindehaut mit gemischter Injektion (blaurot);
- keine Sekretion
Skleritis - Symptome
- Sektorenförmig umschriebene oder auch diffuse, eher blaue Verfärbung unter der Bindehaut;
- typischerweise begleitet von tiefem bohrendem Schmerz
- verstärkte Tränensekretion
- Photophobie
- Bewegungsschmerz
- in 50% mit Allgemeinerkrankung vergesellschaftet
Myositis - Symptome
- Bindehautödem, umschriebene tiefe Rötung unter der Bindehaut im Muskelansatzbereich,
- Bewegungs- und Druckschmerz;
- oft geringer axialer Exophthalmus
Diagnostik
Im CT und in der Sonographie oft verdeckte äußere Augenmuskeln
lmmunologische Abklärung, insbesondere Ausschluss von rheumatoider Arthritis, Polychondritis und rheumatischer Herzerkrankung
ADERHAUT (UVEA)
Uvea: mittlere Augenhaut, umfasst Chorioidea, Corpus ciliare und Iris
Uveitis
Entzündungen der Chorioidea (Gefäßhaut = Aderhaut) des Auges
Uveitis anterior
Meist einseitige akute Iritis oder vorwiegend doppelseitige chronische Iridozyklitis
Uveitis posterior
Herdförmige isolierte oder disseminierte Chorioiditis (oder Chorioretinitis)
Befund
- Keine Schmerzen
- Vordere Augenabschnitte reizfrei und unauffällig
- Funduskopie: einzelne, im frühen Stadium verwaschene, gelblich-graue Herde; im Narbenstadium scharf begrenzt mit Pigmenteinlagerungen
- Manchmal präretinale Glaskörpertrübungen
Ursachen und weiterführende Diagnostik
- In über 50% aller Fälle trotz weitergehender Diagnostik (Augenarzt und andere Fachgebiete) ungeklärt.
Exogene Uveitis
durch intraokulare Keimeinschleppung nach perforierenden Verletzungen oder operativen Eingriffen (relativ selten, Anamnese!)
Systemische Erkrankungen mit allergisch-hyperergischen immunologischen oder autoimmunologischen Vorgängen am Uveagewebe:
- Spondylitis ankylopoetica (Bechterew) (Röntgen, 90 % HLA-B27 positiv);
- Morbus Behçet (öfter HLA-B5 nachweisbar);
- juvenile rheumatoide Arthritis (Röntgen, in 80 % antinukleäre Antikörper [ANA] nachweisbar, HLA-DW5 oft positiv);
- Morbus Boeck (Iris- und Bindehautknötchen - Histologie!, Röntgen Thorax, Tuberkulintest und Rheumaserologie meist negativ, ACE-Titer erhöht)
Infektiöse Erkrankungen mit Keimbesiedlung des Augeninneren:
- Toxoplasmose (Röntgen Schädel, Sabin-Feldman-Test, indirekter Fluoreszenzantikörpertest [FA], Hämagglutinationstest, Elisa-Test);
- Pilzinfektionen (z.B. Candidamykose bei Immunschwäche);
- Tuberkulose (selten, disseminierte Chorioiditis bei Miliar-Tbc; Mantoux-Test meist positiv);
- Lues (selten, TPHA, VDLR, FTA, MHA-TP, TPI [Nelson-Test]);
- Gonorrhoe,
- Zoster ophthalmicus,
- Zytomegalie (bei Immunschwäche und AIDS, kraniales CT)
Iritis
Akute Iritis
Symptome
- Starke Schmerzen in der Tiefe des Auges, manchmal in die Umgebung ausstrahlend (Ziliarneuralgie)
- Blendungsschmerz, Schmerzen bei Lichteinfall
- Sehverschlechterung
Befund
- Ziliare (seltener gemischte) Injektion
- Klare Hornhaut mit normaler Sensibilität
- Trübung des Kammerwassers (Tyndall-Phänomen)
- Manchmal Fibrin oder Eiteransammlung in der Vorderkammer (Hypopyon)
- Pupille eng
- Verwaschene Iriszeichnung mit schmutzig-grünlichem Farbton bei hellen Irides
- Verklebungen zwischen Iris und Linsenvorderfläche (hintere Synechien)
- Meist einseitig
Verlauf
Neigung zu Rezidiven
Chronische Iridozyklitis
Symptome
- Selten schmerzhaft,
- mehr schleichender Verlauf,
- meist doppelseitig
- Oft zunächst keine Sehverschlechterung
Augenärztlicher Befund
- Nur geringe ziliare Injektion
- Mäßige Kammerwassertrübung
- Präzipitate an der Hornhautrückfläche
- Oft Verklebungen zwischen Iris und Linsenvorderfläche ("hintere Synechien")
- Zellige oder schwadige Glaskörpertrübungen
Verlauf
Später Linsentrübung (Cataracta complicata)
Aderhautnaevus
Symptome
- Keine, meist Zufallsbefund
Befund
- Funduskopie: meist homogen pigmentierter Fleck
Aderhautmelanom
Symptome
- Sehverschlechterung je nach anatomischer Lage, in der peripheren Netzhaut erst sehr spät
Befund
- Funduskopie: dunkel pigmentierte Prominenz (aber auch amelanotische Formen), eventuell mit orangen Pigmenteinlagerungen, eventuell begleitende Netzhautabhebung im unteren Fundusbereich
Diagnose
- Funduskopie
- Echographie (Dickenzunahme der Läsion!)
- Fluoreszenzangiographie
LINSE (LENS CRISTALLINA)
Katarakt (grauer Star)
Definition
Trübung der Linse
Symptome
- Keine Schmerzen
- Zunehmende Sehverschlechterung ("Sehen wie durch einen grauen Schleier")
- Vermehrte Blendempfindlichkeit
- Graue oder weißliche Pupille (Trübung oft nur nach Pupillenerweiterung erkennbar)
Formen
- Cataracta senilis: häufigsten Form (etwa 10-15 % aller über Sechzigjährigen)
- Cataracta complicata: nach Augenerkrankungen, Augenverletzungen (Kontusionskatarakt); oft einseitig
- Steroidinduziert (Kortisonkatarakt), Röntgenkatarakt
- Seltener im Rahmen von Allgemeinerkrankungen (myotonische Dystrophie, Tetanie, Hauterkrankungen)
- Auch angeborene Formen möglich (Cataracta congenita)
Morphologische Einteilung:
- Cataracta nuclearis (Kerntrübung): typische Symptome: Myopisierung, Doppelbilder
- Cataracta corticalis anterior (vordere Rindentrübung); typische radspeichenartige Trübungen - Blendungsgefühl
- Cataracta corticalis posterior (hintere Rindentrübung)
- Cataracta subcapsularis posterior (hintere Schalentrübung): oft als rasche Sehverschlechterung wahrgenommen, vor allem Beeinträchtigung des Nahvisus
- Cataracta polaris posterior: hinterer Polstar: Trübung des Zentrums der hinteren Schale
- Polychromatische Katarakt: "Christbaumschmuck-Katarakt" (Cholesterinkristalle)
- Sonnenblumenkatarakt: sternenförmige braune vordere und hintere subkapsuläre Trübungen bei M. Wilson
Einteilung nach Ausprägung:
- Cataracta incipiens: beginnende Katarakt
- Cataracta intumescens: fortgeschrittene Katarakt mit Linsenvolumenzunahme (relativ rasche Visusverschlechterung!) und eventuell Vorderkammerabflachung (cave: Winkelblockglaukom bei vorbestehender Hypermetropie)
- Cataracta brunescens: gelbliche bis rot-braune Kerntrübung bei fortgeschrittener dichter Katarakt
- Cataracta rubra: rot-braune Kerntrübung bei weiterem Fortschreiten der Katarakt
- Cataracta nigra: schwarze Kerntrübung bei weiterem Fortschreiten der Katarakt
- Cataracta matura: weit fortgeschrittene Form - alle Schichten dicht getrübt (Linse erscheint weiss) (früher: für die Operation "reifer" grauer Star)
- Cataracta hypermatura (Cataracta Morgagni): der dichte, braune Kern ist in der Linse nach unten abgesunken
Nachstar (Cataracta secundaria)
Definition
Trübung der Linsenkapsel nach extrakapsulärer Kataraktoperation
Symptome
- wie bei Katarakt
Morphologische Einteilung:
- Regeneratorischer Nachstar der hinteren Linsenkapsel: häufigste Form, durch Zellproliferationen (Elschnig'sche Perlen) aus veränderten Linsenepithelzellen (Wedl-Blasenzellen) die nach der Kataraktoperation meist im Äquatorialbereich persistieren; wird durch scharfe Kante der Kunstlinsenoptik blockiert
- Kapselfibrose: weisse Trübung meist der Vorderkapsel, aber auch an der Hinterkapsel (hier mit Faltenbildung), häufig als Reaktion auf das Kunstlinsenmaterial (vor allem bei Silikonlinsen)
- Soemmering'sche Ringkatarakt: dichte Regenerate zirkulär um die Kunstlinse
- Nachstar bei Kindern innerhalb weniger Monate nach Operation fast immer auftretend, bei Erwachsenen in 10-50% nach 5 Jahren.
Linsensubluxation
Symptome
- Sehverschlechterung,
- Iris- und/oder Linsenschlottern, partielle Aphakie;
- bei vollständiger Linsenluxation: Dislokation in Vorderkammer oder Glaskörperraum mit kompletter Aphakie
Befund
- Durch Lockerung der Zonulafasern wird der Äquator der Linse in der Pupille sichtbar.
- Meist im Rahmen von Systemerkrankungen (Marfan-Syndrom, Marchesani-Syndrom, Homocystinurie) oder nach schweren Prellungstraumen.
Erkrankungen des inneren Auges
OPTIKUS, NEUROOPHTHALMOLOGIE UND HEREDITÄRE ERKRANKUNGEN
Akutes Glaukom
(= Glaukomanfall, Winkelblockglaukom, Pupillarblockglaukom)
Plötzliche starke Erhöhung des intraokularen Druckes (Normwert 10-20 mm Hg) auf Werte bis über 60mm Hg wegen Abflussblockade im Kammerwinkel.
Symptome
- Plötzlich auftretende, bis zur Unerträglichkeit starke Schmerzen, die häufig in die Umgebung des Auges ausstrahlen oder dorthin lokalisiert werden
- Oft Übelkeit, manchmal Erbrechen
- Nebelsehen, bis zu starker Sehverschlechterung
- Regenbogenfarben um Lichtquellen
- In der Regel einseitig
Befund
- Starke Rötung des Auges infolge oberflächlicher Gefäßstauung
- Pupille weit, oft entrundet, lichtstarr
- Augapfel palpatorisch steinhart
- Hornhaut rauchig getrübt, Oberfläche glanzlos (Epithelödem)
- Vorderkammer abgeflacht
Differenzialdiagnose
DD der Kopfschmerzen, Appendizitis, Iritis, Sekundärglaukome
Differenzialdiagnose
Neovaskularisationsglaukom (mit Rubeosis Iridis bei diabetischer Retinopathie oder nach Zentralvenenverschlüssen), Posner-Schlossmann-Syndrom (glaukomatozyklitische Krise)
Merke
Längere lokale oder allgemeine Gabe von Glukokortikoiden kann zu Augendrucksteigerungen (sog. Kortisonglaukom; meist chronisch, aber auch akut!) führen. Bei längeren Glukokortikoidgaben deshalb Augendruckkontrolle durch Augenarzt erforderlich!
Chronisches Glaukom (grüner Star)
(= Offenwinkelglaukom)
Häufigste Erblindungsursache in der mittleren Altersgruppe
Symptome
- In der Regel keine Beschwerden, wird daher oft nur zufällig entdeckt (z.B. bei Bestimmung der Lesebrille)
- Fast immer doppelseitig
- Im Endstadium röhrenförmige Gesichtsfeldeinschränkung
- Erst ganz spät auch Verlust der zentralen Sehschärfe (= völlige Erblindung!)
Befund
- Meist nur mäßige Erhöhung des Augeninnendruckes (in der Regel 24 mm Hg und mehr)
- Glaukomatöse Papillenexkavation
- Typische Gesichtsfeldausfälle (irreversibel!)
Differenzialdiagnose
Okuläre Hypertension, Normaldruckglaukom; Sekundäre Glaukome (Pseudoexfoliationsglaukom, Pigmentdispersionsglaukom, Kortisonglaukom, Phakolytisches Glaukom)
Beachte
Weil bereits eingetretene Schäden irreversibel sind, ist die Frühdiagnose und Frühtherapie von großer Bedeutung! Ansätze zur Früherkennung über quantitative Nervenfaserschichtanalyse und perimetrische Verfahren.
Kongenitales Glaukom
(Hydrophthalmus, Hydrophthalmie, Buphthalmus)
Definition
Augendrucksteigerung durch erbliche Entwicklungsanomalie des Kammerwinkels
Ursachen
Schon bei Geburt bestehende oder kurz danach auftretende Vergrößerung eines oder beider Augäpfel ("schöne, große Augen") infolge Dehnung durch den erhöhten Augeninnendruck, Hornhautdurchmesser über 10.5 mm
Symptome
Bei höheren Druckwerten (über 30-40 mm Hg) Lichtscheu, Tränen, Rötung des Auges und zarte diffuse Hornhauttrübung durch Epithelödem
Differenzialdiagnose
Megalokornea
Neuritis nervi optici
(Sehnervenentzündung, Papillitis oder Neuritis retrobulbaris, Retrobulbärneuritis)
Symptome
- Plötzliche, meist hochgradige Sehverschlechterung (Zentralskotom)
- Bei Neuritis retrobulbaris Schmerzen hinter dem Auge
- Bewegungsschmerz und Repulsionsschmerz (Schmerzen bei Druck auf den Bulbus)
- Verstärkung der Symptomatik bei erhöhter Körpertemperatur („Uhthoff-Phänomen“)
- Farben werden „blasser“ wahrgenommen
Befund
- Bei Papillitis verwaschene, leicht prominente, vermehrt rötliche Papille
- Bei Neuritis retrobulbaris Papille zunächst unauffällig ("Der Patient sieht nichts und der Arzt sieht auch nichts")
Differenzialdiagnose
Stauungspapille, ischämische Opticusneuropathie
Anteriore ischämische Opticusneuropathie (AION)
Anteriore ischämische Opticusneuropathie arteriosklerotischer Genese
(Papilleninfarkt, Apoplexia papillae)
Symptome
- Plötzliche einseitige Sehverschlechterung mit Gesichtsfeldausfällen
- Hypertonie, Diabetes mellitus oder Hyperlipidämien in der Anamnese
Befund
Papille mit sektorenförmiger Randunschärfe
Anteriore ischämische Opticusneuropathie arteriitischer Genese
(Arteriitis temporalis, Riesenzellarteriitis, Morbus Horton)
Symptome
- Plötzliche hochgradige Sehverschlechterung oder Erblindung (meist zunächst einseitig)
- Kopfschmerzen (Schläfenkopfschmerz)
- Schmerzen bei Druck auf Temporalarterie
- Kauschmerzen
- Gewichtsverlust, verminderter Allgemeinzustand
- Geschlängelte, pulslose A. temporalis
Befund
- wie bei Papilleninfarkt
- stark erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), CRP erhöht, Leukozytose, Eisenmangelanämie
- A. temporalis-Biopsie und histologische Untersuchung
- Rheumaanamnese
Quadranten- und Halbseitenausfälle im Gesichtsfeld
Erkrankungen der Chiasmaregion:
Symptome
- meist heteronyme bitemporale Gesichtsfeldausfälle
- Sehverschlechterung
Mögliche Ursachen
- Hypophysenadenome
- Kraniopharyngeome
- Meningeome
- Aneurysmen
- Gliome
- Trauma
Erkrankungen des Tractus opticus:
Symptome
- homonyme Hemianopsien
- Sehverschlechterung
Mögliche Ursachen
- Tumore
- vaskuläre Insulte
- Aneurysmen
- Trauma
Erkrankungen Sehstrahlung bis zur Sehrinde:
Symptome
- homonyme Hemianopsien oder Quadrantenanopsien
- Sehverschlechterung
Mögliche Ursachen
- Tumore
- vaskuläre Insulte
- Aneurysmen
- Trauma
Retinopathia pigmentosa
Definition
Hereditäre Erkrankung mit zunehmender Ablagerung von Pigment beginnend in der Peripherie bis zum Zentrum der Netzhaut
Ursachen
Stäbchen-Zapfendystrophie wird autosomal rezessiv, autosomal dominant, oder X-chromosomal vererbt
Symptome
- Nyktalopie (Nachtblindheit), Blendung
- Gesichtsfeldeinschränkung (zentrales Gesichtsfeld oft lange gut erhalten)
- Sehverschlechterung, Farbsinnstörungen
- am Augenhintergrund typische Veränderungen: „knochenkörperartige“ Pigmentflecken, wachsgelbe Papille, Gefäße eng gestellt
- wenn mit Schwerhörigkeit kombiniert: Usher-Syndrom
NETZHAUT UND GLASKÖRPER
Glaskörperabhebung
Symptome
- Mouches volantes: Entoptische Wahrnehmung dunkler Punkte oder Fäden, die sich bei Blickbewegungen mitbewegen ("herumfliegende Mücken"): typisch für Glaskörpertrübungen
- Photopsien: Entoptische Wahrnehmung von Funken, Blitzen und feurigen Ringen (s. Netzhautablösung)
Ursachen
durch die mit dem Alter steigende Verflüssigung des Glaskörpers kommt es zur Abhebung des Glaskörpers von der Netzhaut
Beachte
Bei einer inkompletten Abhebung des Glaskörpers kann es an der Anheftungsstelle durch einen Zug an der Netzhaut zu einem Einriss der Netzhaut kommen (Symptom: Lichtblitze). Eine augenärztliche Kontaktglasuntersuchung zum Ausschluss eines Netzhautdefektes ist hier dringend zu empfehlen.
Netzhautablösung
(Ablatio retinae, Amotio)
Symptome
- Keine Schmerzen
- Frühsymptom: Blitze- und Funkensehen, "Russregen"
- Später zunehmender Schatten oder Vorhang, der sich vor das Auge schiebt
- Schließlich Verzerrtsehen und hochgradige Sehverschlechterung, wenn Ablösung die Netzhautmitte erreicht hat
Befund
- Abgelöste Netzhaut erscheint grauweiß und blasig bis faltig prominent mit Gefäßen
- Netzhautriss rot (durchscheinende Aderhaut): Rundlöcher oder Hufeisenriss mit davorschwebendem oder hochstehendem Deckel; manchmal auch Riesenriss
Metamorphopsien
Verzerrtsehen, besonders in der Nähe (bei Makulaerkrankungen); Mikropsie: Verkleinertsehen bei Makulaödem
Makuladegeneration
(Altersbedingte Makuladegeneration - AMD)
Häufigste Ursache schwerwiegender Sehbehinderung älterer Menschen in der westlichen Welt
Symptome
- Fortschreitende Abnahme der zentralen Sehschärfe (Leseprobleme, Gesichter erkennen schwierig)
- Verzerrtsehen (Metamorphopsien)
- zuerst ein Auge betroffen, später meist beide Augen
- Das periphere Sehen bleibt erhalten
Formen
1.) trockene AMD (nichtexsudative AMD, trockene Makulopathie)
Befund am Augenhintergrund:
- Drusen
- Pigmentepithelveränderungen
- Exsudate
2.) feuchte AMD (exsudative AMD, feuchte Makulopathie, subretinale Neovaskularisationen, choroidale Neovaskularisation - CNV)
CNV-Typen: vorwiegend klassisch, minimal klassisch, okkult
CNV-Lokalisation: extrafoveal, juxtafoveal, subfoveal
CNV-Größe: kleiner oder größer als 4 Papillenflächen
Befund am Augenhintergrund:
- Abhebung des retinalen Pigmentepithels
- subretinale Flüssigkeit
- Netzhautödem, Makulaödem
- subretinale Blutung
3.) Terminalstadium
Befund am Augenhintergrund:
- disziforme Narbe („Junius-Kuhnt“-Makulopathie)
- geographische Atrophie des retinalen Pigmentepithels
Netzhautzentralarterienverschluss
Symptome
Plötzliche einseitige Erblindung ohne Schmerzen
Befund
- Amaurotische Pupillenstarre
- Netzhaut milchig verfärbt (ischämisches Ödem) mit "kirschrotem Fleck" im Makulabereich
- Arterien fadendünn
Netzhautzentralvenenthrombose
Symptome
- Plötzliche einseitige starke Sehverschlechterung ohne Schmerzen
Befund
- Papillenödem
- Netzhautödem und Netzhautblutungen
- Stark gestaute Venen
Komplikation
sekundäres Glaukom bei Rubeosis iridis
Retinopathia diabetica
Symptome
- Zunächt keine, dann zunehmende irreversible Sehverschlechterung ohne Schmerzen
Befund
- Im Stadium I und II (sog. background-Retinopathie) kleine fleckförmige Netzhautblutungen mit Lipidablagerungen (harte Exsudate);
- im Stadium III (Retinopathia proliferans) Gefäßneubildungen zunächst im Netzhautniveau, später in den Glaskörper einsprossend mit massiven Blutungen in den Glaskörperraum und späterer Bildung präretinaler Schwarten und Stränge, bei Schrumpfungen Netzhautabhebung.
Netzhaut-, Aderhaut- und Glaskörperblutungen
Befund
- Typischer Fundusbefund bzw. kein Funduseinblick
Endophthalmitis
Definition
Akute oder chronische Entzündung des Augeninneren
Ursachen
- meist mikrobiell bedingt
- meist nach perforierendem Bulbustrauma oder Augenoperationen
Symptome
- akute Sehverschlechterung
- Schmerzen
- Rötung der Bindehaut
- Vorderkammerreizung
- Hypopyon (Spiegelbildung) in der Vorderkammer
- Glaskörperinfiltration mit Entzündungszellen
Augensymptome bei AIDS
- Retinale Mikrozirkulationsstörungen (Haemorrhagien, Mikroinfarkte) finden sich zu ca. 14% bei den Vorstadien, zu 61% bei dem Vollbild AIDS
- Opportunistische Infektionen (Retinitis, Choroiditis) am häufigsten durch Zytomegalie-Virus in 24% bei Vollbild AIDS
- Malignome (Kaposi-Sarkom der Lider) in 5% bei Vollbild AIDS
Cave: Die Tränenflüssigkeit von AIDS-Patienten kann infektiöse HIV-Viren enthalten. Daher sind Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe (Handschuhe, Desinfektion von mit Tränenflüssigkeit in Berührung gekommenen Instrumenten etc.) geboten!
Orthoptische Veränderungen
Ametropien (Brechungsfehler des Auges)
Myopie (Kurzsichtigkeit)
Meist anlagebedingtes vermehrtes Längenwachstum des Auges, scharfes Sehen ist nur auf kurze Entfernungen möglich. Myopien ab etwa 3 Dioptrien gehen mit einem erhöhten Risiko von Netzhautablösungen einher. Bei hoher Myopie (Myopia magna) häufig degenerative Dehnungsveränderungen am hinteren Augenpol mit oft erheblicher Visuseinschränkung.
Hyperopie (Übersichtigkeit, Weitsichtigkeit)
Meist anlagebedingter Kurzbau des Auges. Scharfes Sehen in der Ferne und Nahausgleich durch vermehrte Akkomodation (Naheinstellung) bei Kindern und Jugendlichen möglich.
Astigmatismus (Stabsichtigkeit)
Ungleiche Brechkraft einzelner Hornhautmeridiane, oft kombiniert mit Myopie oder Hyperopie
Schielen
1. Begleitschielen
Definition
Anlagebedingte Störung des beidäugigen Sehens seit Geburt, seltener im 2.-3. Lebensjahr auftretend, begünstigt durch Brechungsfehler (Hyperopie), fehlendes Augenmuskelgleichgewicht und Fusionsschwäche.
Ursachen
- Strabismus convergens, oft unilateral mit Entwicklung einer Schielschwachsichtigkeit (Amblyopie) auf dem schielenden Auge, die nach dem 5. Lebensjahr kaum mehr rückbildungsfähig ist (bleibende funktionelle Einäugigkeit);
- oder alternierend mit Entwicklung einer anomalen Zusammenarbeit beider Augen (sog. anomale Netzhautkorrespondenz)
Merke
Ein Schielen im Kleinkindesalter kann auch Erstsymptom eines Retinoblastoms sein!
2. Lähmungsschielen
Ursachen
- Angeboren infolge Kern- oder Muskelaplasie bzw. paradoxer Innervation,
- erworben myogen (Myopathie, Tumor, Blutung) oder neurogen (Läsionen der Augenmuskelnerven, ihrer Kerngebiete oder deren Verbindungsbahnen)
Symptome
- Seit Geburt oder (häufiger!) plötzlich auftretend;
- dann Beweglichkeitseinschränkung und Doppelbilder;
- zu deren Vermeidung Kopfzwangshaltung oder Zukneifen eines Auges
Diplopie
Doppelbildwahrnehmungen
Ursachen
- typisch für Augenmuskellähmungen
Akkommodationslähmung
Ursachen
- Traumen, Medikamente, Botulismus, Diphtherie
- Bei Hyperopen: Fern- und Nahsehstörungen
- Bei Emmetropen: nur Nahsehstörungen
- Bei Myopen: meist keine Sehstörung
Astigmatismus (Stabsichtigkeit)
Symptome
- Schweregefühl der Lider, Jucken, Brennen, rasche Ermüdbarkeit, Verschwommensehen, dumpfe Augenschmerzen, besonders bei Naharbeit, Kopfschmerzen, zeitweise Doppeltsehen;
- Beschwerden sind morgens nicht vorhanden, sondern treten erst im Laufe des Tages durch Beanspruchung der Augen auf und nehmen ständig zu
Ursachen
Dioptrische Asthenopie
bei Brechungsfehlern
Artifizielle Asthenopie
durch fehlerhafte Brillenkorrektion
Muskuläre Asthenopie
infolge gestörten Augenmuskelgleichgewichtes
Nervöse Asthenopie
als rein funktionelle Störung bei unauffälligem Befund
Verletzungen - Unfälle - Notfälle
Merke
Nach Versorgung aller Notfallerkrankungen durch den erstbehandelnden Arzt stets weitere fachärztliche Behandlung erforderlich!
Verbrennungen
Symptome
- Versengte Wimpern und Brauen
- Rötung
- Blasenbildung oder Nekrosen der Lidhaut
- Chemose der Bindehaut und Trübung der Hornhaut
- Bindehaut ischämisch
- Hornhaut grauweiß, trüb, Oberfläche matt
Verätzungen
Ursachen
- Durch Säuren, Laugen, gebrannten oder gelöschten Kalk, Tränengas
Symptome
- Tränenfluss
- Blepharospasmus
- Rötung
- Epitheldefekte der Hornhaut
- bei schweren Verätzungen: ischämische, toxische Nekrosen der Bindehaut, dichte, diffus-graue Trübung der Hornhaut ("gekochtes Fischauge")
Merke
Laugen- und Tränengasverätzungen stets äußerst gefährlich!
Oberflächliche Fremdkörperverletzungen (Hornhautfremdkörper)
Symptome
- Fremdkörpergefühl
- Schmerzen bei Lidschlag und Augenbewegungen
- konjunktivale oder gemischte Injektion
- Abwehrtrias: Tränenfluss, Blepharospasmus, Lichtscheu
Diagnostik
Epitheldefekte der Hornhaut (Erosion) mit Fluoreszeinteststreifen grün anfärbbar
Fremdkörper auf der Hornhaut: sichtbar
Fremdkörper im Bindehautsack: meist unter dem Oberlid
ektropionieren!
Kontusionsverletzungen
Ursachen
1. Prellungsverletzung des Augapfels durch stumpfe Gewalt
Symptome
- Lidhämatom
- Hornhauterosionen
- Bindehautblutung (Hyposphagma)
- Blutung in die Vorderkammer (Hyphäma)
- weite, lichtstarre Pupille mit Einrissen des Sphincter pupillae
- Linsentrübung (Kontusionskatarakt)
- Linsenluxation in Glaskörper oder Vorderkammer bzw. Subluxation
- Glaskörperblutung
- Aderhautrupturen
- Netzhautödem und -blutung
- Netzhautablösung (meist Oraabriss)
- in sehr schweren Fällen Bulbusruptur
2. Prellungsverletzung der Adnexe des Auges
Symptome
- Unterlidabriss (dabei meist Zerreißung auch des funktionell besonders wichtigen unteren Tränenkanälchens!)
- Einbruch des Orbitabodens mit Einklemmung der unteren Augenmuskeln ("Blow-out-Fraktur") und eingeschränkter Bulbushebung
- Zerreißung des Sehnerven oder Optikusscheidenhämatom (Fraktur des Canalis opticus)
Diagnostik
Röntgen der Orbita nach Waters bzw. auch CT, Nachweis von knöchernen Frakturen, Prolaps orbitalen Gewebes, Flüssigkeitsspiegel in der Kieferhöhle und eventuell Luft in Orbita oder Lidern, Motilität, eventuell einseitiger Bulbushochstand
Perforierende Verletzungen
Ursachen
- Stich- oder Schnittverletzung bzw. eindringender Fremdkörper (typisch: Schlag mit Hammer auf Meißel)
Symptome
- Meist sichtbare Perforationswunde
- eventuell Irisprolaps mit zur Hornhautwunde verzogener Pupille
- oft Linsenverletzung
Merke
Manchmal ist die Perforation kaum zu erkennen (z.B. transsklerale Splitterverletzung oder gedeckte Bulbusruptur), wobei das Auge fast reizfrei sein kann und in der Regel keine stärkeren Schmerzen bestehen
Strahlenschädigungen
Ursachen
- durch UV-Strahlen (Schweißen, Hochgebirge, Wintersport!)
Symptome
- Ähnlich den Symptomen bei Fremdkörperverletzungen,
- doppelseitig mit starken Schmerzen nach Latenzzeit von 6 bis 8 Stunden (= Ophthalmia photoelectrica)
- Augenschäden durch ionisierende Strahlen sind bei Beachtung der Strahlenschutzbestimmungen sehr selten
- Röntgenstrahlen können nach einer Latenzzeit von etwa 2 Jahren die gegenüber dieser Strahlenart besonders empfindliche Linse schädigen (= Röntgenkatarakt)
Peri-Myokarditis: Diagnose
Peri-Myokarditis
Definition
Umschriebene oder diffuse Entzündung des Perikards einschließlich subepikardialer Muskelschichten und/oder des Myokards. Nur ausnahmsweise sind Perikard oder Myokard isoliert betroffen (Perikarditis oder Myokarditis).
Ätiologie
idiopathisch (z. T. virusbedingt)
- infektiös: viral (insbes. Coxsackie-Viren A und B bzw. ECHO-Viren, seltener AIDS-, Myxo-, Arbo- oder andere Viren), bakteriell (bei Tuberkulose bevorzugt Perikard, bei Diphtherie und Chagas-Krankheit Myokard bevorzugt betroffen)
- Kollagenkrankheiten (akuter und chronischer Rheumatismus, Lupus erythematodes visceralis, Panarteriitis nodosa, Sklerodermie u. a.)
- Autoimmunprozesse (z. B. Dressler-Syndrom, Postkardiotomiesyndrom)
- stoffwechselbedingt (Urämie, Cholesterinperikarditis u. a.)
- seltenere weitere Ursachen: Morbus Boeck, per continuitatem (Entzündung, Tumor), tumorös, traumatisch (z. B. postoperativ), Bestrahlung, Störungen der Ventrikeldynamik bei kongestiver Kardiomyopathie
- ungeklärt: echokardiographisch nachgewiesener Perikarderguss ohne klinische Symptome (selbst langfristig)
Besondere Verlaufsformen der Perikarditis
Große Dunkelziffer, wahrscheinlich sehr häufig unerkannt und folgenlos
Pericarditis siccaund exsudativa
fast stets kombiniert
Herzbeuteltamponade
Bei akuter Perikarditis reichen bereits wenige 100 ml Exsudat, um eine Tamponade zu bewirken: akute Einflussstauung bei vergrößertem Herzschatten, Hypotonie, Pulsus paradoxus, leise Herztöne, Niederspannung im Elektrokardiogramm
Pericarditis constrictiva (Panzerherz)
Mit oder ohne Perikardverkalkung bei chronischem Verlauf der Perikarditis: meist posttuberkulös, kaum jemals postrheumatisch. Chronische Einflussstauung bei meist normal großem oder gering vergrößertem Herzen, protodiastolischer Extra-Ton, frühdiastolischer Dip und hohes diastolisches Plateau (> 25 % der Gesamtamplitude) in der rechtsventrikulären Druckkurve, spätdiastolische Füllungsbehinderung
Pericarditis epistenocardica
Komplikation eines Herzinfarktes
Verlaufsformen der Myokarditis
- fulminant: ventrikuläre Dysfunktion - mögliche Progression zu dilatativer Kardiomyopathie
- akut
- chronisch aktiv
- chronisch persistierend
Wann muss man an eine Myokarditis denken?
Immer wenn sich ein (junger!) Patient mit nicht erklärbaren kardialen Symptomen präsentiert:
- Herzinsuffizienz
- Myokardinfarkt
- Arrhythmien
- Leitungsstörungen
- vorangegangener Respirations- oder enteraler Infekt
Symptomeder Perikarditis
- lage- und atemabhängiger Thoraxschmerz (auch retrosternal)!
- Fieber, Leukozytose, Senkungsbeschleunigung, Leistungsknick
- Tachykardie und Rhythmusstörungen ventrikulärer und supraventrikulärer Art
- nicht selten Hypotonie und Schocksymptomatik, gelegentlich Pulsus alternans
- auskultatorisch Galopprhythmen, systolische Geräusche wechselnder Intensität und Dauer, perikardiales Reiben, protodiastolischer Perikardton
- Herzverbreiterung, gelegentlich mit retrokardialen Kompressionsatelektasen, evtl. pleurale Beteiligung
Diagnostik
Ein Infekt der Respirationsorgane geht häufig voraus.
Thoraxröntgen
- evtl. Lungenstauung und rasche Vergrößerung des Herzschattens
- bei Perikarderguss > 500 ml Bocksbeutelform des Herzschattens
- bei chronischen Erkrankungen Zeichen von Verkalkung im Perikard
EKG
</b>unspezifische Endstreckenveränderungen, PQ-Verlängerung, insbesondere bei rheumatischer Genese, AV-Blockierungen I-III, bei Außenschichtbeteiligung (Perikarditis) generalisierte, in Gliedmaßen- und Brustwandableitungen konkordante ST-Streckenänderungen (insbesondere Hebung) mit anschließender T-Negativierung bei schnellem Stadienwechsel, elektrischer Alternans, Niederspannung von QRS und T bei normaler P-Amplitude
Echokardiogramm
</b>unspezifische Änderungen einzelner Funktionsparameter und Innendurchmesser, Nachweis eines dorsalen und/oder ventralen Perikardergusses bzw. einer Kalkschale oder Perikardverdickung
Virusdiagnostik
</b>Titeranstieg komplementbindender, neutralisierender oder hämagglutinierender Antikörper. Virusnachweis im Biopsat
- Perikardpunktion und Perikardioskopie mit bakteriologischer, mikroskopischer und histologischer Untersuchung
Myokardbiopsie
</b>bei "Frühbiopsie" bis 50 % positive Befunde; Kontrollbiopsien bei persistierenden, abheilenden oder fraglich abgeheilten Myokarditiden
Dallas-Kriterien zur Diagnose mittels endomyokardialer Biopsie
| aktive Myokarditis | inflammatorisches Infiltrat, meist mononukleär mit Nekrosen und/oder Degeneration der umgebenden Myozyten untypisch für ischämische Schädigung |
| Borderline-Myokarditis | geringe Inflammation oder keine Schädigung der Myozyte |
Weitere Laboruntersuchungen
meist nur mäßiggradige Erhöhung "myokardialer" Enzyme einschl. CPK und MB-CPK; chemische Untersuchungen des Perikardergusses (z. B. Cholesterin, LDH, Gesamteiweiß)
Herzkatheter
zur Quantifizierung der diastolischen Füllungsbehinderung und zum Nachweis gleichzeitiger Koronargefäßveränderungen (vor einer beabsichtigten Operation)
Diagnostik der Virusmyokarditis(nach: H. D. Bolte)
</p>
Allgemeine Symptome</p> - Infektionen der oberen Luftwege
- Gastroenteritis
- Lymphknotenvergrößerung
- Myalgie
- Fieber
- HypotonieKardiale Funktionsstörungen</p> - Myokardinsuffizienz
- Rhythmusstörungen</p>
VirusmyokarditisSerologische Befunde</p> - IgM-Antikörper (ELISA-Test)
- Neutralisationstest
- Komplementbindungsreaktion
- humorale MyokardantikörperMyokardbiopsie</p> - Histomorphologie
- Bindung von Immunglobulinen
(Nachweis von Viruskapsid)
Differenzialdiagnose
- Herzinfarkt (EKG nimmt Schlüsselposition ein); lokalisierte diskordante ST-Veränderungen, T-Negativität häufig bei persistierender ST-Hebung, Pardee-Q, R-Verlust in unipolaren Ableitungen
- vegetative Endstreckenveränderungen des Elektrokardiogramms: ST-Hebungen, insbesondere in den mittleren und linkspräkordialen Ableitungen, häufig nach vorausgehender S-Zacke ("frühe Repolarisation"); klinisch, von vegetativen Symptomen abgesehen, meist unauffällig
- Kardiomyopathie
- Herzklappenfehler
- Hyperthyreose
Gastroenterologie
Diarrhoe, akute: Diagnose
Definition
Zu häufige Entleerung zu dünner Stühle. Beimengungen von Blut, Schleim und Eiter bei manchen infektiösen Formen und akuten Schüben von chronischen entzündlichen Darmerkrankungen, sonst breiige oder wässrige, meist übelriechende Stühle.
Infektiös (siehe auch infektiöse Darmerkrankungen)
- Bakterien (z.T. invasive, z.T. enterotoxinbildende Formen):
- Salmonellen
- Campylobacter jejuni
- seltener Shigellen
- Clostridium difficile (nach Antibiotikatherapie: pseudomembranöse Colitis)
- Yersinia enterocolitica
- Vibrio cholerae
- E. coli, 5 Pathovare:
- Enteropathogene E. coli (EPEC)
- Enterotoxische E. coli (ETEC)
- Enteroinvasive E. coli (EIEC)
- Enterohämorrhagische E. coli (EHEC)
- Enteroaggregative E. coli (EAggEC)
- Viren: Rota-Viren, Norwalk Agent
- Parasiten: Entamoeba histolytica, Lamblien, Askariden, Bandwürmer, Hakenwürmer (nicht obligat von Durchfällen begleitet)
Toxisch
- Bakterientoxine außerhalb des Körpers gebildet (Staphylokokken, Clostridien, Streptokokken)
- Schwermetalle: Arsen, Quecksilber, Blei, Chrom
- Laxanzien (evtl. in Leber-, Galle- oder Abmagerungsmitteln versteckt), Digitalis, Zytostatika, Antibiotika, Ganglienblocker
- Genussmittel: Alkohol-, Nikotin-, Kaffeeabusus
Aktinisch
Röntgen- oder Radiumbestrahlung im Bereich des Darmes
Allergisch
- Nahrungsmittelallergien evtl. nach Milch, Eiklar, Schokolade, Hefe, Nüssen, Zitrusfrüchten, Fisch, Erdbeeren u. a.; oft zusammen mit anderen allergischen Manifestationen (Asthma, Heuschnupfen, Urtikaria).
- Ihre Bedeutung und Häufigkeit sind wenig untersucht und nicht restlos gesichert.
- Direkte Zerstörung der Mucosa entweder durch bakt. Toxine oder durch Immunreaktion (chron. entzündliche Darmerkrankungen).
- Neben der Motilitätsstörung ist der Einstrom von Flüssigkeit in das Darmlumen von besonderer Bedeutung.
- Aktive Ionen- mit sekundärer Wassersekretion in den Dünndarm bei Kontakt mit Bakterientoxinen führt zur sog. Überlaufdiarrhoe (z.B. V. cholerae, E. coli, manche Salmonellen und Shigellen; Viren)
- Undichtwerden der "Kittleisten" zwischen den Epithelzellen besonders im Kolon durch Einwirkung sekretagoger Substanzen (Laxanzien, Gallensäuren, Fettsäuren)
- Sekretorische Diarrhoen dieser Genese sind voluminös im Gegensatz zu den kleinvolumigen Entleerungen bei Erkrankungen oder Störungen des distalen Kolons, welche durch Tenesmen charakterisiert sind. Sie halten auch dann noch an, wenn der Patient fastet.
- Die Schwere des Krankheitsbildes und der Verlauf können in weiten Grenzen schwanken: von passageren, leichten Durchfällen über schwere Diarrhoen mit Allgemeinsymptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen mit Exsikkose und Schock.
- Die meisten akuten Diarrhoen verlaufen leicht, klingen mit und ohne Therapie spontan oder nach Absetzen der Noxe innerhalb weniger Tage wieder ab.
- Eine bakteriologische oder virologische Untersuchung des Stuhls oder des Nahrungsmittels oder eine serologische Abklärung kommt daher oft zu spät und ist deshalb höchstens von epidemiologischem Interesse.
Diagnostischer Stufenplan: Akute Diarrhoe

Besondere Formen:
Reisediarrhoe
Definition
Sammelbezeichnung für Durchfallerkrankungen unterschiedlicher und häufig unbekannter Ätiologie, die Stunden oder Tage nach einem Orts- oder Milieuwechsel auftreten können; sehr häufig bei Reisen in wärmere, subtropische oder tropische Regionen.
Ursachen
- Veränderte Essgewohnheiten und Nahrungsmittel
- In den meisten Fällen Genuss verunreinigter Lebensmittel oder mangelnde Wasserhygiene
- Eine Reihe von Erregern (Bakterien, Parasiten und Viren) verursachen Durchfälle (siehe oben)
- Häufigste Ursache offenbar ETEC (= enterotoxinbildende E. coli), die eine starke Dünndarmsekretion und eine Überlaufdiarrhoe verursachen
- Wenn mehrere Personen in der nächsten Umgebung (z.B. Urlauber in der Gruppe) gleichzeitig erkranken, Hinweis auf eine Infektion durch Salmonellen (über Speisen), Shigellen (häufig über Swimmingpool), Campylobacter (Zoonose, durch Lebensmittel übertragen) oder Hinweis auf eine Endemie oder Epidemie anderer Art (Ruhr, Cholera etc.)
Verlauf
- Sind ETEC-Toxine die Auslöser, ist die Erkrankung selbstlimitierend und heilt ohne gravierende klinische Probleme ab
- Bei persistierender Diarrhoe mit schwerem Verlauf müssen andere Erreger in Betracht gezogen werden (siehe oben)
- Eine antiinfektive Therapie ist nur dann indiziert, wenn die Durchfälle länger als 3 Tage anhalten, hohes Fieber besteht oder besondere Begleitumstände vorliegen (siehe Behandlungsindikationen)
| Im Ausland erworbene Durchfallerkrankungen nach dem zeitlichen Ablauf | |
| Auftreten in der 1. Woche | - Symptome: Wässrige Durchfälle - Erregerquelle: Buffet - Wahrscheinlichste Ursache: ETEC |
| Auftreten in der 1.-2. Woche | - Symptome: Wässrige Durchfälle und Fieber - Erregerquelle: Pool, Trinkwasser - Wahrscheinlichste Ursache: Shigellen, u. a. |
| Durchfall nach Rückkehr | - Symptome: Blutig-wässrige Durchfälle - Wahrscheinlichste Ursache: Salmonellen |
| Verdauungsprobleme nach Rückkehr | - Symptome: Aufstoßen, Blähungen, weiche Stühle - Wahrscheinlichste Ursache: Lamblien |
Pseudomembranöse Kolitis (nach Antibiotikagabe)
- Nach Anwendung von Antibiotika (besonders Clindamycin, Lincomycin) schwere pseudomembranöse Entero-Kolitiden (durch Clostridium difficile) bei Abwehrgeschwächten.
- Davon zu unterscheiden ist die häufige, harmlose Antibiotika-assoziierte Diarrhoe.
Durchfälle bei AIDS
- Oft ganz anderes Erregerspektrum: Amoeben, Cytomegalievirus, Cryptosporidien, Mycobacterium avium- intracellulare;
- Nachweis häufig nur aus der Biopsie möglich.
Infektiologie & Hygiene
Lymphknotenschwellungen, entzündliche : Diagnose
Lymphknotenschwellungen, entzündliche
Ursachen
Lokalisierte Entzündung im Abflussbereich lokaler Infekte und Eiterungen
Symptome
Schmerzhafte, meist lokalisierte Lymphknotenschwellung von mittelderber Konsistenz
Diagnostik
Exakte Anamnese:
- Zeitpunkt und Art des Auftretens der ersten Schwellung
- Gewichtsabnahme
- Verschlechterung des Allgemeinzustandes
Klinische Untersuchung der Lymphknoten
- Anzahl und Größe (Prädilektionsstellen: retro-, präaurikulär, entlang M. sternocleidomastoideus, Kieferwinkel, supraklavikulär, axillär, seitlich der Thoraxpartien, proximal der Ellenbeuge, abdominal, inguinal)
- Konsistenz, Schmerzempfindlichkeit, Verschieblichkeit
- Begleiterscheinungen wie Milztumor, lokale oder generalisierte entzündliche Prozesse, Fieber
- zusätzliche Untersuchung: Blutbild, BKS, Histologie
Differentialdiagnose: Infektionskrankheiten
Röteln (Viruserkrankung, s.Röteln)
Zytomegalie-CMV Mononukleose
Virusinfektion mit dem Zytomegalievirus (CMV)
Symptome
Erstinfektion meist asymptomatisch, ansonsten Fieber, Lymphknotenschwellung, Pharyngitis, Splenomegalie, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen
Diagnostik
- Serologie: IgG, IgM, Komplementbindungsreaktion + ELISA
- Virusnukleinsäurenachweis (PCR), Virusisolierung
- Blutbild: Lymphozytose mit atypischen Lymphozyten
- Histologie
Komplikationen
Infektiöse Mononukleose (Pfeiffer´sches Drüsenfieber)
Virusinfektion mit Epstein-Barr-Virus
Symptome
Appetitabnahme, Kopf-, Glieder- und Halsschmerzen, Fieber, schmerzhafte Lymphknotenvergrößerungen am Hals, im Okzipitalbereich, ulzero-membranöse Angina, Milzschwellung, makulopapulöses Exanthem
Diagnostik
- Epstein-Barr-spezifische Immunfluoreszenz und EBV-IgM
- Blutbild: Leukozytose (Lymphomonozyten >50%), Vakuolisierung im Zytoplasma
- KM: zellreich, Vermehrung der Granulopoese mit Linksverschiebung und Vermehrung von Plasmazellen
- Histologie: retikuläre Reaktion mit monozytoiden Zellen, Lymphomonozyten, Retikulumzellen
Komplikationen
Myokarditis, Hepatitis, Nephritis, Meningitis
Katzenkratzkrankheit
Infektion mit Bartonella henselae und (seltener) Afipia felis
Symptome
Wochenlange subfebrile Temperaturen, lokalisierte Lymphknotenvergrößerung im Abflussgebiet der Kratzwunde
Diagnostik
- Anamnese: Kontakt mit Katzen und Vorhandensein einer Läsion mit Lymphknotenschwellung
- Serologie: KBR ab 2. Monat positiv
- Hautbiopsie mit Histologie: granulomatösen Entzündung mit zentraler Nekrose
- Labor: leichte Eosinophilie, BKS erhöht
Lymphogranuloma inguinale
Zählt zu den Geschlechtskrankheiten und wird durch Chlamydia trachomatis Serotyp L1-L3 ausgelöst.
Symptome
- Primärläsion: schmerzlose Papel, Bläschen oder Ulcus an der Infektionspforte (Glans penis, Vulva, Vagina, Anorektum)
- Sekundärläsion: ein- oder beidseitige Schwellung der Inguinallymphknoten, zunächst von derber Konsistenz, später häufig Einschmelzung
- Fieber
- Appetitlosigkeit
Diagnostik
- Materialgewinnung: Ulcusabstrich, Lymphknotenpunktat
- direkter Nachweis: PCR
- Serologie: Immunfluoreszenz, ELISA
Syphilis
Toxoplasmose
Aktinomykose
Strahlenpilzkrankheit, ausgelöst durch Aktinomyzeten
Symptome
Schwellung der regionären Lymphknoten
Diagnostik
Nachweis der Erreger (Actinomyces israeli), z.T. auch in Form von Drusen, im Punktat, Eiterabstrich oder Histologie.
|
|
![]() Actinomykose (mit freundlicher Genehmigung Roche AG) |
AIDS
Brucellose (M. Bang, Maltafieber)
Symptome
Kleine schmerzhafte Lymphknoten, relatives Wohlbefinden, undulierendes chronisches Fieber, Milztumor, Leberschwellung
Diagnostik
- Leukozytose, BKS erhöht; KBR ab 2. Woche positiv
- Kutantests
- Erregernachweis in Blut und Eiter
Tularämie (Hasenpest)
Infektionserkrankung durch Francisiella tularensis
Symptome
besonders Hals- und aurikuläre Lymphknotenschwellungen
Diagnostik
- Nachweis des Erregers in Punktat, Sputum oder Blut
- Serologie: ab 2. Woche Agglutinationstest mit Tularämie positiv
Tuberkulose
(s.a. Tuberkulose II)
Meldepflicht!
Symptome
Tuberkulöses Halslymphom: oraler Primärkomplex bei Kindern und jüngeren Erwachsenen. Halslymphknoten anfänglich derb, gut abgrenzbar, druckschmerzhaft, später Einschmelzung.
Tuberkulöse, meist sehr derbe Lymphknotenschwellungen vorwiegend in der Halsregion, werden bei meist hämatogener Streuung in jedem Lebensalter beobachtet.
Atypische Mykobakteriose
Differentialdiagnose vergrößerter Lymphknoten
| Hinweise für entzündliche Ursachen | Hinweise fürmaligne Ursachen | |
| Lokalisation | zervikale und submandibulare Lymphknoten bei Infekten des HNO-Bereichs und Kinderkrankheiten axillär und inguinal bei entzündlichen Prozessen an Armen und Beinen | potenziell alle Lymphknotenregionen, deshalb histologische Abklärung |
| Schmerzhaftigkeit | meist vorhanden (abgesehen von Tbc, Lues und Toxoplasmose) |
in der Regel keine |
| Konsistenz | eher weich | in der Regel hart |
| Beweglichkeit | allgemein gut | häufig mit Unterlage verwachsen |
| Dauer der Entstehung | innerhalb weniger Tage mit Rückbildung in 2-3 Wochen | in der Regel langsam wachsend und länger als 2-3 Wochen bestehend |
| Begleitsymptome | kurz dauerndes, evtl. hohes Fieber, bei Infektionskrankheiten u.U. Exanthem | evtl. unklares, lange dauerndes Fieber, Gewichtsverlust |
Morbus Boeck
(s. Sarkoidose, Lungenfibrose)
Rheumatische Erkrankungen
Geringgradige Lymphknotenschwellungen bei den Formen, die mit Milztumor einhergehen, z.B. M. Still, M. Felty
Kikuchi-Fujimoto
= histiozytäre nekrotisierende Lymphadenitis; benigne selbst limitierende Erkrankung, sehr seltene Ursache einer Lymphadenitis
Letztes Update:25 Mai, 2011 - 13:02












